Dienstag, 24. November 2009

23.11.09 Marahau

Endlich konnten wir mal wieder etwas länger schlafen und das nutzten wir auch aus. Wir blieben bis 8.45 Uhr im Bett. Während Beate im Bad war, bereitete Mirjam schon mal das Frühstück vor und bald saßen wir gemütlich vor unserer Terrassentür und aßen Matschbrot mit Schinken und Käse.

So mehr oder weniger gestärkt ging es los zu unseren Nachbarn, dem “Aqua-Taxi”. Diese Fahrt sollte das Highlight des heutigen Tages werden, denn wir hatten eine dreistündige Bootsfahrt entlang des ganzen “Abel Tasman Nationalparks” und zurück gebucht. Da waren wir wohl nicht die Einzigen, denn vor der Tür warteten bereits mehrere deutsche Jugendliche mit riesigen Traveller-Rucksäcken.

Kurz nach unserer Ankunft kamen plötzlich zwei Traktoren mit Anhänger auf den Platz und auf den Anhängern stand jeweils ein Boot.



Mirjam schaute schon etwas besorgt und Beate hatte die Lage noch nicht wirklich erkannt. Als dann die jungen Leute anfingen, ihre Rucksäcke in das Boot zu verfrachten, ahnte Beate plötzlich Böses. Die wollten uns doch nicht wirklich mit dem Boot auf dem Anhänger transportieren, oder etwa doch?

Beate wurde langsam etwas nervös und Mirjam grinste in sich hinein. Dann tauchte auch der freundliche junge Mann auf, der uns am Tag zuvor bestätigt hatte, dass es kein Problem sei, als Rollstuhlfahrer die Tour mitzumachen. Beate sah das jetzt doch etwas anders und fragte noch einmal skeptisch nach, ob er sicher sei, dass sie mitfahren könne. Er nickte wie selbstverständlich und griff dann gleich mal zu. Er hob Beate aus dem Rollstuhl und schleppte sie tatsächlich über eine Kiste, zwei Leitersprossen und die Reling auf einen Sitz im vorderen Teil des Bootes. Beate konnte kaum glauben, was ihr da gerade geschehen war und saß freudestrahlend auf ihrem Platz.



Nicht lange danach hatten auch alle anderen Passagiere ihre Plätze eingenommen und es konnte losgehen. Wir wurden tatsächlich im Boot sitzend, auf einem Anhänger, von einem Traktor gezogen, zum Meer gebracht. Leider war kein Meer mehr da, wo gestern noch eins war. Um 10.30 Uhr war Ebbe und so fuhren wir dem Meer hinterher.

Mit dem Traktor und dem Anhänger ging es über den nassen Sand und den Schlick und als wir endlich genug Meer unter den Rädern hatten, wurde der Anhänger gewendet und rückwärts ins Wasser geschoben. Das Boot glitt vom Anhänger ins Meer.



Langsam tuckerten wir los und so dachten wir, dass es kein Wunder sei, dass wir bei dem Tempo drei Stunden unterwegs sein würden. Plötzlich senkte unser Kapitän jedoch den Motor tiefer ins Wasser und wir schossen über das Meer.

Als erstes führte uns unser Weg zum “Split Apple Rock”, wo wir eine Bucht mit goldgelbem Strand und einen riesigen, in der Mitte geteilten Felsbrocken sahen. In den Bäumen nisteten außerdem Kormorane. Schon jetzt waren wir begeistert und wir wussten noch nicht, was uns noch alles erwarten würde.
Weiter ging es nach “Torrent & Anchorage Bay”. Auf dem Weg dorthin hielt unser Captain plötzlich das Boot an und wir trauten unseren Augen kaum: mitten im Meer schwamm ein kleiner, blauer Pinguin.

In “Anchorage Bay” stiegen die ersten Passagiere aus und wir beobachteten fasziniert, wie unser Schiff rückwärts an den Strand fuhr und unser Captain eine junge Frau auf dem Rücken an Land schleppte, damit sie keine nassen Füße bekam.
Es hellte sich langsam auf und uns gefiel die Fahrt immer besser, zumal wir dann nach “Adele Island” kamen, wo wir eine Robbenkolonie beobachten konnten. Besonders niedlich fanden wir ein kleiner Robbenbaby, das sich auf einem Stein wärmte.



Weiter ging es nach “Bark Bay” und als wir nach 40 Kilometern auf dem Weg nach “Tonga” und “Awaroa” waren, konnten wir im flachen, glasklaren Wasser zwei Stachelrochen entdecken.



Auf zwei Sandbänken hatten sich verschiedene Vogelarten und Pinguine versammelt.

Mittlerweile konnten wir schon gar nicht mehr glauben, dass wir wirklich auf dem offenen Meer unterwegs waren, so unglaublich viele Tierarten hatten wir auf der Fahrt schon gesehen. Jetzt kam auch die Sonne richtig raus und die Strände leuchteten hell vor dem türkisfarbenen Meer.



Nach fast zwei Stunden ging es zurück Richtung Marahau und wir luden an den verschiedenen Stränden wieder neue Passagiere auf. Nicht vorstellbar, aber wahr: plötzlich tauchten Schwanzflossen neben unserem Boot auf. Unser Kapitän beruhigte uns, es seien keine Haie, sondern eine Gruppe Delphine, die eine ganze Zeit lang um unser Boot herumschwammen und einige Sprünge vollzogen.

Wir waren ganz vertieft beim Beobachten der Delphine, als plötzlich raketenähnliche Geschosse vom Himmel kamen. Unser Captain erklärte uns, dass es sich um Gannets (Basstölpel) handelte, eine Vogelart, die auf diese Weise Fische fangen. Sie stürzen sich wie Pfeile aus bis zu 30m Höhe in die Tiefe. Wir erfuhren, dass diese Vögel sehr oft an Augenentzündungen leiden, weil sie sich mit offenen Augen ins Meer stürzen. Die Entzündung führt zu Blindheit und somit müssen die Vögel dann verhungern.

Kurz vor Marahau hielten wir noch einmal bei den Robben und als wir nach über dreieinhalb Stunden wieder im Ort ankamen, ging das Meer wieder bis zum Ufer, wo an einer Steinrampe der Traktor mit Anhänger bereitstand. Der Anhänger wurde rückwärts ins Wasser gelassen und unser Kapitän steuerte das Boot direkt wieder darauf zu. Dann setzte sich unser Captain Kopfhörer auf, stieg auf den Traktor und fuhr uns so wieder zur Aqua-Taxi-Station.

Dort stand bereits Beates Träger bereit, der sie mit der gleichen Souveränität wie schon morgens wieder vom Boot hob und in den Rollstuhl setzte. Wir liefen zurück in unser Quartier und konnten noch immer nicht fassen, was wir in den letzten vier Stunden alles erlebt und gesehen hatten.

Wir machten noch einen kleinen Spaziergang in den “Abel Tasman Nationalpark”, wo wir einige Vogelarten und Kleinkrebse im Schlick beobachteten und beschlossen dann, dass es für diesen Tag genug Abenteuer gegeben hatte und wir uns nun so profanen Dingen wie Wäschewaschen und Abendessenkochen widmen konnten.

Das Waschen der Kleidung lief schon fast nebenbei und unser Abendessen bestand aus liebevoll zubereiteten Nudeln mit fertiger Tomatensauce, die wir anschließend im Sonnenuntergang auf unserer Terrasse aßen.


22.11.09 Marahau - Wellington

Eigentlich empfanden wir das Aufstehen in den letzten Tagen ja als früh, aber dieses Mal mußten wir wirklich früh aus den Federn, nämlich kurz nach 5.00 Uhr. Um 6.30 Uhr verließen wir nach dem Check-out unser Hotel, packten unser Auto und machten uns durch die Innenstadt von Wellington auf den Weg zur Autofähre nach Picton auf der Südinsel.

Leider kamen wir nicht weit, denn an der dritten Ecke sahen wir zwei wildblinkenden Polizeiwagen und zwei Polizisten, die gerade dabei waren, Hütchen aufzustellen. Nichts Böses ahnend wollten wir schön langsam an dieser Polizeistreife vorbei schleichen. Leider klappte das nicht.

Wir wurden angehalten und ein freundlicher Polizist schaute durch das herunter gelassene Seitenfenster zu Mirjam, die leider dieses Mal auf dem Fahrersitz saß. Freundlich nuschelnd redete der Polizist auf Mirjam ein und hielt ihr ein rechteckiges schwarzes Kästchen vor’s Gesicht. Irgendwie verstanden wir etwas von einer “Alkoholkontrolle”. Wir müssen wohl etwas übernächtigt ausgesehen haben. Jedenfalls holte Mirjam tief Luft und wollte in das Kästchen pusten. Der Beamte nahm das Gerät jedoch weg und forderte die jetzt total verwirrte Mirjam auf, bis zehn zu zählen. Er hielt ihr das Gerät wieder vor den Mund und Mirjam begann auf englisch zu zählen. Vor lauter Nervosität vergaß sie die neun, aber das Gerät zeigte trotzdem an, dass kein Alkohol im Spiel war. Nach diesem Erlebnis waren wir dann wirklich wach und kriegten sogar die merkwürdige Wegführung zur Fähre bestens geregelt.

Dort waren wir froh, dass wir die Überfahrt schon von Deutschland aus gebucht hatten und nur noch unseren Voucher abgeben mußten. Wir machten die Dame am Counter darauf aufmerksam, dass wir mit Rollstuhl unterwegs waren und sie bat uns, die hazard-lights" einzuschalten. Wir wußten zwar nicht, was sie meinte, aber wir stellten uns in Linie 5 in die Schlange.



Nach einer halben Stunde Wartezeit durften so nach und nach alle Fahrzeuge auf die Fähre. Da gab es LKWs mit Anhänger, Wohnmobile, Motorräder und PKWs wie unserer. Mirjam fuhr so routiniert auf die Fähre, als würden wir dies jede Woche tun.

Beim nächsten Einweisungsposten war uns immer noch nicht klar, was "hazard lights" sind, aber langsam dämmerte uns, dass es sich um die Warnblinkanlage handeln musste. Wir schalteten sie ein und wurden auf einen speziellen Parkplatz gewiesen, auf dem genügend Platz war, um den Rollstuhl auszuladen.

Wir stiegen aus und fuhren mit dem Lift auf Deck 7, wo wir uns erst einmal umsahen. Die dreistündige Überfahrt vertrieben wir uns mit warten, fernsehen, essen und trinken.



Kurz bevor die Fähre in Picton einlief, machten wir uns auf den Weg zum Parkdeck und durften vor allen anderen Passagieren in unser Auto steigen.

Außerdem waren wir auch mit bei den Ersten, die von Bord durften. Direkt in Picton bogen wir ab auf den “Queen-Charlotte-Drive” bis Havelock. Auf dem Weg gab es zahlreiche Overlooks, von denen aus man einen wunderschönen Blick auf den Fjord und die verschiedenen Bays hatte.

Havelock nennt sich selbst “Muschelhauptstadt von Neuseeland”, denn die Haupteinnahmequelle sind die Muschelfarmen.

Von dort ging es weiter über die SH6 bis nach Nelson, einem netten Ort mit vielen Cafés und Restaurants. Nelson soll der sonnigste Ort des Landes sein und ist bekannt, für seinen Obst- und Weinanbau. Es ging weiter nach Richmond und dann über Motueka nach Riwaka. Hinter Riwaka ging es die zweite Abzweigung nach Marahau. Kurz vor dem “Abel Tasman Nationalpark” fanden wir tatsächlich unser Hotel für zwei Nächte, die “Abel Tasman Marahau Lodge”.

Schon auf dem Weg dahin begeisterte uns die direkte Lage am Meer mit tollen Sandstränden. Als dann auch noch die Sonne heraus kam und wir mit unserem netten Gastgeber unser Chalet besichtigten, waren wir total begeistert, denn zu unserem Eigenheim gehörte auch eine super Terasse mit riesigem Garten mit altem Baumbestand.

Wir hielten uns nicht lange im Zimmer auf, sondern machten uns gleich auf den Weg zum Aqua Taxi nebenan, um dort eine Bootstour für den nächsten Tag zu buchen. Dann besuchten wir noch den kleinen Laden in der Nähe, um für die nächsten zwei Tage zum Frühstück und Abendessen versorgt zu sein. Für den Abend hatte unser “Herbergs-Vater” bereits einen Tisch im nahegelegenen Restaurant für uns reserviert.

Auf dem Rückweg vom Einkaufen legten wir einen kleinen Fotostopp am Strand ein und beeilten uns dann nach Hause zu kommen, denn es wartete noch ein bisschen Arbeit auf uns. Zuerst räumten wir unsere Koffer aus dem Auto und dann belegten wir die Laundry mit Beschlag, um eine Maschine Wäsche zu waschen und zu trocknen.



Sobald die Arbeit getan war, machten wir uns auf den Weg zum Restaurant. Dort gab es als Fisch des Tages “Monk-Fish” auf Linsen-Gemüse, was uns ganz besonders gut schmeckte. Zum Nachtisch gab es für Mirjam einen Käsekuchen und Beate gönnte sich einen beschwipsten Kaffee.

Um unsere Englisch-Kenntnisse zu verbessern, baten wir die Kellnerin um Papier und Stift. Wir wollten uns einige Begriffe aus der Speisekarte aufschreiben, um sie später im Internet zu übersetzen. Darauf sprach unsere Bedienung plötzlich deutsch und übersetzte uns die uns fehlenden Begriffe. Wir waren völlig verblüfft und daraufhin erklärte sie uns, dass sie zwar in Neuseeland geboren sei, aber ihre Eltern aus Freiburg kämen.

Das ist nun schon das zweite Mal, das uns so etwas passiert und in Zukunft werden wir vorsichtiger damit sein, uns in deutsch zu unterhalten und zu denken, dass uns niemand versteht. Überhaupt treffen wir hier viele deutsche Touristen. So auch heute morgen auf dem Schiff, wo uns ein Ehepaar sein Leid klagte, weil gerade in der Nacht vorher ihr Auto in der Tiefgarage aufgebrochen worden war.

Samstag, 21. November 2009

21.11.09 New Plymouth - Wellington

Wieder einmal stand frühes Aufstehen auf dem Plan und so klingelte der Wecker um 7.00 Uhr. Es lagen fast 500 Kilometer Weg vor uns bis Wellington.

Von New Plymouth aus ging es an der Küste entlang über den Surf-Highway nach Wanganui. Diese Strecke sollte das Highlight des Tages sein und eigentlich wären wir auch gerne ab und zu mal abgebogen um die Surfer an einem der vielen Strände zu beobachten, aber leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung: es war kühl, nebelig und regnerisch. Deshalb war leider auch der Mount Taranaki nicht zu sehen.

Auf den am Wegrand liegenden Weiden sah man, wie immer, wahnsinnig viele Kühe. Da aber Neuseeland eigentlich für seine Schafzucht bekannt ist, versäumten wir es nicht versäumen, diese zu fotographieren



Bei Hawera fuhren wir auf den SH3 und dann ging es nach Wanganui, wo wir einen Einkaufs- und Tankstopp einlegten. Dieses Mal erwischten wir einen richtig großen Supermarkt und als wir an der Kasse standen, schämten wir uns ein bisschen für unsere ungesunden Einkäufe und wollten schon so tun, als hätten wir für einen Kindergeburtstag eingekauft: Chips, Gummibärchen, Lakritze, diverse Kekssorten und Rülpsbrühe (Sprite). Gut eingedeckt mit Fressalien machten wir es uns im Auto gemütlich und frühstückten unsere Sandwiches.

Eine Viertelstunde später ging es flott weiter Richtung Süden. Als wir die ersten Ausläufer von Wellington sahen, kramte Mirjam eifrig nach der Stadtkarte und unserer Hotelbeschreibung und kurze Zeit später standen wir schon mitten in der City vor unserem Hotel, dem “West Plaza Wellington”.

Wie immer in den Großstädten, so gab es auch hier wieder die üblichen Parkplatzprobleme, aber die junge Dame von der Rezeption ließ uns einmal ums Hotel herumfahren und so konnten wir auf der Rückseite des Hotels überdacht parken.
Ein bisschen kommen wir uns schon vor, wie die Zigeuner, wenn wir unseren Kofferraum öffnen und auf belebter Straße unsere frische Unterwäsche und Übernachtungsutensilien zusammensuchen und dann mit jeweils drei Taschen durch das Foyer zu unserem Zimmer gelangen.

Es ist immer wieder spannend, Bad und Zimmer zu besichtigen. Auch in diesem Hotel gab es eine befahrbare Dusche und, wie schon so oft, keinen Klappsitz oder sonstige Sitzgelegenheit. Also hieß es: ab zur Rezeption und einen Duschstuhl verlangen. Wir erklärten genau, dass wir einen festen Stuhl mit Rückenlehne benötigen und man versprach uns, diesen in die Dusche zu stellen. Was wir dann bekamen, war jedoch ein kleiner Wackelhocker, ohne Rückenlehne. Also hieß es: wieder zur Rezeption und nochmal reklamieren. Nach längerem Suchen fanden die Damen der Rezeption einen passenden Stuhl im Spa-Bereich und 20 Minuten später brachte ein Hotelangestellter das Utensil aufs Zimmer.

Nachdem unsere Zimmerausstattung jetzt vollständig war, konnten wir uns auf den Weg an die frische Luft machen. Wieder einmal kamen unsere Regenjacken zum Einsatz und wir machten uns auf den Weg zu Wellingtons Cable Car, dessen Haltestelle nur 10 Minuten zu Fuß vom Hotel lag.

Erstaunlicherweise war dieses Cable Car rollstuhlgerecht und so konnten wir die wahnsinnig steile Strecke bis zum Cable Car Museum und dem höchsten Punkt des Botanischen Gartens schnell und interessant hinter uns bringen.



Auf dem Gipfel angekommen, statteten wir dem Cable Car Musem noch einen kurzen Besuch ab und durchwanderten dann den Botanischen Garten von Wellington. Beate qualmten bald die Finger, denn es ging stetig steil bergab.

Einen kurzen Stopp legten wir beim Rosengarten ein. Schade, dass das Wetter so gar nicht mitspielte.





Weiter ging es vorbei an einem historischen Friedhof, der 1895 geschlossen wurde. Von dort hatte man einen tollen Blick auf die Kolonialbauten Wellingtons.



Wir gingen noch bis zur Kapelle, die aber leider geschlossen war. Dort fanden wir das älteste Haus der Stadt.

Wellington ist bekannt dafür, dass es eine sehr windige Ecke ist und das bekamen auch wir zu spüren. Es blies uns ständig eine kräftige Brise ins Gesicht und machte somit das Laufen richtig anstrengend.

Kurz darauf waren wir wieder in der Innenstadt und bummelten noch vorbei an vielen Geschäften bis zu unserem Hotel.
 

 
Als es dann auch noch anfing zu regnen, beschlossen wir, im Hotelrestaurant zu Abend zu essen und uns dann mit dem Laptop, den Berichten und dem Internet in unser Zimmer zu verziehen.
 

 
Es würde nämlich eine kurze Nacht werden, weil am nächsten Morgen unsere Fähre bereits um 8.30 Uhr abfährt und wir eine Stunde früher dort sein müssen. Außerdem kannten wir noch nicht den Weg und so ist es wohl ratsam, auch noch die Wegstrecke zum Hafen herauszufinden.

20.11.09 Ohakune - New Plymouth

An diesem Morgen mußten wir leider schon um 7.15 Uhr unser gemütliches, warmes Bett verlassen, denn für die 270 Kilometer, die wir bis New Plymouth zurücklegen sollten, waren 6 Stunden Fahrzeit angesetzt.

Apropos warmes Bett: Beate fühlt sich hier in Neuseeland richtig wohl. Zum Einen gab es Federbettdecken statt einer in zwei Bettlaken eingewickelten Wolldecke und zum Anderen gab es in fast jedem Hotel, in dem wir bisher waren, elektrische Wärmedecken als Bettunterlagen.

Wir verzichteten auf ein Frühstück im Hotel und wagten uns in die 8 Grad kalte Bergluft hinaus. Wir fuhren zurück in den Ort und zur nächsten Tankstelle, denn nach Anweisung sollten wir vor der Abfahrt volltanken.

Von Ohakune ging es über die SH4 nach Taumarunui und dann wurde es spannend, denn hier bogen wir ab auf die SH43, dem sogenannten “Forgotten World Highway”, der 150 Kilometer lang ist und nach Stratford führt.

Da ging es durch alte, schmale Tunnel und an vielen historischen Plätzen vorbei, wie Whangamomona-Village.



Auf der Fahrt wurde uns nach und nach klar, warum die Fahrzeit mit sechs Stunden angegeben war, denn die Straße wurde immer enger und kurviger, so dass wir teilweise nur mit 50 km/h vorwärts kamen und die Krönung des Ganzen war dann eine 19 Kilometer lange, nicht asphaltierte Strecke, über die wir mit 30 km/h rumpelten.



Wir waren froh, als wir nach drei Stunden Fahrt endlich diesen von der Welt vergessenen Highway hinter uns hatten und in Stratford ankamen.

Von dort ging es auf die SH3 nach New Plymouth. Jetzt lief es wieder flotter und wir hatten einen tollen Blick auf den Mount Taranaki, dessen schneebedeckte Spitze erst wolkenverhangen war. Später sahen wir ihn in seiner ganzen Pracht vor blauem Himmel mit verschneiter Spitze.



Mittlerweile war es 14.00 Uhr und so beschlossen wir, direkt zu unserem Hotel, dem “Copthorne Grand Central New Plymouth” zu fahren. Wir hielten uns nur kurz auf und machten uns dann zu Fuß auf den Weg zum Meer, wo wir mal einen Nachmittag einfach nur mit einem Bummel am Wasser verbringen wollten.

Wolken und Sonne wechselten sich ab und die steife Brise gab uns fast ein Nordsee-Feeling. Wir ließen es uns nicht nehmen, den preisgekrönten Coastal-Walkway mehrere Kilometer entlang zu laufen und konnten dabei Kite-Surfer beobachten, die mit ihren Schirmen in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit übers Meer schossen.





Wir machten es uns auf einer Bank bequem und ruhten uns ein wenig aus, bevor wir uns auf den Rückweg nach New Plymouth machten. Zum ersten Mal auf unserer langen Reise gönnten wir uns einen Hamburger bei McDonalds und dann einen Mittagschlaf im Hotelzimmer.

Wir wachten gerade noch rechtzeitig auf, um im stylischen Hotelrestaurant eine Kleinigkeit zu essen und bald darauf war dann wieder Berichtschreiben und Nachtruhe angesagt, denn auch für den nächsten Tag waren wieder sechs Stunden Autofahrt angesagt bis Wellington.

19.11.09 Rotorua - Ohakune

Zum ersten und letzen Mal in Neuseeland hatten wir an diesem Morgen ein Frühstück im Zimmerpreis inbegriffen und gönnten uns das berühmte Continental Breakfast mit Toastbrot, Butter und Marmelade. Dazu gab es Cornflakes, Kaffee und Orangensaft.

Mehr oder weniger gestärkt ging es dann 6 Kilometer zurück auf der SH5 zum “Kiwi-Encounter”. Wir waren sehr gespannt, was uns dort erwarten würde. Wir hatten uns vorgenommen, wenigsten einmal auf unserer Neuseeland-Tour einen echten Kiwi zu sehen, womit wir nicht die Frucht meinen. Die hatten wir ja gestern.



In der Kiwi-Aufzuchtstation hatten wir das Glück, einen sehr launigen Führer zu bekommen, der selbst von den Kiwis so begeistert war, dass er uns mit seinem Enthusiasmus mitriss.

Eindrücklich schilderte er uns den Werdegang eines Kiwis. Die befruchteten Kiwi-Eier werden ständig beobachtet und am Tag 71 bis 84 schlüpft ein Küken, dass sich sehr schwer tut, aus dem Ei zu kommen, denn ein Kiwiküken hat keinen Ei-Zahn, um die Schale aufzubrechen.



Nach 30 Tagen hat der Kiwi ein Gewicht von 1 Kilo erreicht und wird dann wieder in die selbe Region zurückgebracht, wo das Ei gefunden wurde. Spezielle Chips, die ihm eingepflanzt werden, ermöglichen eine weitere Beobachtung. Kiwis sind ihr Leben lang dem Partner treu und das ist ein langes Leben: sie werden über 50 Jahre alt. Der Kiwi an sich ist ein sonderbarer Vogel, der eine ganz besondere Position in der Vogelwelt hat. Er existiert nirgendwo außer in Neuseeland.

Früher lebten Millionen von Kiwis auf den zwei Inseln. Heute ist die Population auf 50.000 geschrumpft aufgrund ihrer Feinde: wilde Hunde, Katzen, Opossums und Marder. Auch durch die Reduzierung der Regenwälder wurde der natürliche Lebensraum der Kiwis stark eingeschränkt.

Der Kiwi unterscheidet sich von normalen Vogelarten dadurch, dass er keine Flügel hat und somit nicht fliegen kann. Er hat haarähnliche Federn, kann nicht gut sehen, hat große Ohröffnungen und ist nachtaktiv. Um seine Nahrung zu finden, “schnüffelt” er und stochert mit dem langen Schnabel in der Erde.

Wir waren sehr gespannt, endlich echte Kiwis zu sehen. Zuerst durften wir durch eine Glasscheibe die Baby-Kiwis betrachten, von denen zwei eine Woche und die anderen einen Monat alt waren.

Da die kleinen Kiwis bis 20 Stunden am Tag mit Schlafen verbringen, sahen wir sie auch nur in der Ecke liegend. Unser Führer war plötzlich außer sich vor Freude, als er sah, dass eines der einwöchigen normalerweise braunen Kiwi-Küken einen blonden Haarschopf hatte. Er konnte sich gar nicht mehr beruhigen.

Als Höhepunkt der Führung sahen wir ausgewachsene Kiwis, angefangen vom Teenager-Kiwi bis hin zur Kiwi-Oma, die bereits ihre 50 Jahre auf dem Buckel hatte. Fasziniert beobachteten wir, wie diese Vögel mit den großen Füßen behände durch ihr Gehege liefen.



Leider durften wir während des Rundgangs keine Fotos von den Kiwis machen, um diese nicht zu stören.
Nach einer Stunde verabschiedeten wir uns vom “Kiwi Encounter” und fuhren weiter zu den “Waikarei Terraces”. Nach einem kleinen Fußmarsch über unbefestigte Wege gelangten wir zu den Silica-Terrassen, die 1886 beim Vulkanausbruch des Mount Tarawera entstanden sind.



Gleich daneben konnten wir uns von der gewaltigen Kraft eines Geysirs überzeugen, der brodelnd und zischend das 130 °C heiße Wasser in die Luft schleuderte und uns vollkommen einnebelte.



Bald waren wir wieder “on the road again” und nur wenige hundert Meter weiter bogen wir zur nächsten Attraktion ab, den “Huka-Falls”. Der Waikato-River drängt sich durch ein enges Flussbett und ergießt sich als tosender Wasserfall mit bis zu 270 Kubikmetern Wasser pro Sekunde in den Lake Taupo, den wir auch noch kennenlernen sollten.





Auf unserem Weg nach Ohakune fuhren wir über 50 Kilometer am Lake Taupo entlang und hatten zum ersten Mal in Neuseeland die ganze Zeit über Sonnenschein und blauen Himmel, so dass wir einen wunderbaren Blick über den See zu den Vulkanen des Tongariro-Nationalparks hatten.





Nach dem flirrenden Blau des Sees und den verschiedenen Grüntönen der Wälder kamen wir plötzlich über die “Desert-Road” in wüstenähnliche Landschaften, die uns an das Death Valley in den USA erinnerten.

Endlich erreichten wir unser Ziel, den Ort Ohakune, und unsere Unterkunft für die folgende Nacht, das “Powderhorn Chateau”. Wieder einmal kamen wir in einer urigen Lodge unter. Besonders unser riesiges Zimmer mit zwei Queen-Size-Betten und einem Badezimmer mit befahrbarer Dusche und Badewanne begeisterte uns.



Nachdem wir uns mehr als 2 Stunden mit dem Verfassen unseres Berichts für den Blog beschäftigt hatten, machten wir uns auf den Weg ins tolle Restaurant unseres Hotels. Wir nahmen Lachs und Schweinesteak und wollten uns zum Nachtisch einen Wiener Apfelstrudel gönnen. Als die Kellnerin unsere Bestellung aufnehmen wollte, wollte Beate wissen, wie man Strudel auf englisch ausspricht und die Kellnerin antwortete, sie würde immer “Schdrudel” sagen, also ganz normal auf deutsch.

Es stellte sich heraus, dass sie aus der Nähe von Stuttgart kommt und erst seit 3 Jahren in Neuseeland lebt. Sie erzählte uns einiges über die Sitten und Gebräuche der Neuseeländer und die Unterschiede zwischen den zwei Inseln. Sie machte uns schon richtig neugierig auf die Südinsel, auf die wir in 2 Tagen reisen werden.

Mittwoch, 18. November 2009

18.11.09 Pauanui - Rotorua

Wie wir es uns vorgenommen hatten, schafften wir es tatsächlich, um 7.30 Uhr unsere Betten zu verlassen. Nach der freundlichen Verabschiedung von unserem Cottage-Vermieter machten wir uns auf den Weg zum Strand von Pauanui. Wir legten einen kurzen Fotostopp ein und dann ging es Richtung Rotorua.



Beim Durchfahren eines kleinen Ortes sahen wir plötzlich das Schild “Optometrist”. Mirjam hatte auf Fiji ihre Tasche mit den Kontaktlinsen vergessen und nun blieb uns nichts anderes übrig, als hier in Neuseeland neue Linsen in ihrer Stärke zu suchen. Parallel hatten wir vor einigen Tagen eine E-Mail ans Radisson-Hotel auf Fiji geschrieben und sie mailten zurück, dass sie die verlorene Tasche gefunden hätten und nach Cairns in Australien schicken werden. Dort hoffen wir, das verlorene Stück wieder zu bekommen.

Trotzdem musste Mirjam nun dem neuseeländischen Optiker die Lage erklären, ihre Dioptrinstärke angeben und auf Hilfe hoffen. Nach einigen Augentests erhielt sie zwei Probelinsen in ihrer Stärke und kann nun klarsichtig durch Neuseeland reisen.

Mit neuem Blick ging es weiter nach Te Puke. Dort besichtigten wir eine Kiwi-Plantage.



Da wir den kleinen Touristen-Bus nicht benutzen konnten, erhielten wir die Genehmigung, auf eigene Faust zu Fuß durch die Anlage zu wandern. Zum ersten Mal in unserem Leben sahen wir Kiwi-Sträucher, die zur Zeit in Blüte sind. Die Kiwifrüchte werden hier Anfang Winter, im Juni/Juli geerntet.



Wir kamen an zahlreichen exotischen Pflanzen vorbei und wissen nun, wie Pistazien-, Macadamia- und Mandelbäume ausssehen. Wir sahen auch Zitronen-, Orangen-, Mandarinen- und verschiedene Grapefruit-Bäume und diverse andere uns nicht bekannte Obstpflanzen.



Zum Abschied probierte Beate einen guten Kiwi-Likör und ganz besonders gut schmeckte uns der Kiwi-Saft, von dem wir gleich eine Flasche mitnahmen. Dann mussten wir uns wieder auf die Socken machen, denn in Rotorua wartete noch ein größeres Programm auf uns.

Schon auf dem Weg in den Ort wallte ein ekliger Gestank nach faulen Eiern durch die Klimaanlage ins Auto. Schon jetzt wurde uns ein wenig schlecht von dem Schwefel-Geruch. Trotzdem fuhren wir erst mal unser Hotel an, das “Ventura Inn & Suites”, wo wir den schnellsten Check-in unserer bisherigen Reise erlebten. Die Zimmerkarten lagen schon für uns parat, man drückte sie uns in die Hand und 20 Sekunden später waren wir schon auf dem Zimmer. Wieder einmal gab es zwar eine befahrbare Dusche, aber kein geeigneten Dusch-Sitz und so machten wir uns wieder auf den Weg zur Rezeption, wo wir den typischen Plastik-Balkonstuhl ergattern konnten.

Nach dem Durchsehen einiger Prospekte gerieten wir schlagartig in Aktion, denn Mirjam wollte unbedingt die Geysire, Schwefelhöhlen und -Krater besichtigen. Mittlerweile war es kurz vor 15.00 Uhr und das “Thermal-Wonderland” schloss um 17.00 Uhr. Also schwangen wir uns wieder ins Auto und los ging’s auf die SH5 Richtung Taupo. 27 Kilometer südlich von Rotorua fanden wir unser Ausflugsziel.

Um 15.20 Uhr ging es in den Park. Beate brauchte nichts zu bezahlen, denn sie konnte mit dem Rollstuhl nur einen Teil des Parks befahren. Bereits am Eingang schlug uns wieder dieser ekelhafte Geruch entgegen und ein Angestellter amüsierte sich über unser Naserümpfen und meinte:” Übrigens, der Geruch ist im Preis inbegriffen!” Wir bissen die Zähne zusammen und vermieden unnötiges Luftholen, was gar nicht so einfach war, denn es ging auf unebenen Wegen ziemlich steil bergauf und bergab.

Aber es hat sich gelohnt, diese Landschaft zu sehen, genau so stellen wir uns die Hölle vor: giftgrüne Löcher, blubbernde braune Brühe, neongelbe Tümpel, siedendheißes Wasser mit Schwefeldampfwolken, Kraterlandschaften in allen Farben und die passenden Namen dazu: “Heim des Teufels”, “Donnerkrater”, “Tintenfass des Teufels”, “Opalsee”, “Brautschleier-Fälle”, “Bratpfannenebene”, “Schwefelhöhle”, “Inferno-Krater”, Champagner-Teich” und “Teufelsbad”.



Die verschiedenen Farben an Steinen, Pflanzen und im Wasser entstehen durch Chemikalien wie Schwefel (gelb), Mangan (purpur), Arsen (grün) und viele andere. Ganz besonders toll war das Wandern über einen Holzsteg, der mitten durch die “Künstlerpalette” ging.



Die Palette zeigt in ihren heißen und kalten Tümpeln, sowie zischenden Erdspalten ein großes Spektrum an Farben und Schattierungen.



Begeistert durchwanderten wir die verschiedenen Naturschauspiele. Es empfiehlt sich nicht, in einen dieser blubbernden Tümpel zu fassen, denn das Wasser erreicht Temperaturen von über 300 Grad.

Wir schafften es gerade noch, kurz vor 17.00 Uhr und einem Wolkenbruch am Ausgang anzukommen. Auf dem Rückweg besuchten wir im strömenden Regen noch schnell das Matschloch (mudpool), wo blubbernde Matsche zu besichtigen war.



Danach ging es zurück zum Hotel, wo wir unseren Tagesbericht schrieben. Dann waren wir einfach zu faul, fürs Abendessen noch mal das Hotel zu verlassen. Kurzerhand bestellten wir ein üppiges Mal bei einem Restaurant mit Lieferservice und 20 Minuten später konnten wir uns bereits an den Tisch setzen und unser Hühnchen mit Früchten und Shrimps mit Kokossoße genießen. Dazu tranken wir unseren giftgrünen Kiwisaft.

Dienstag, 17. November 2009

17.11.09 Auckland - Pauanui

Mit einem Schokomuffin und einem getoasteten Bagel zum Frühstück verabschiedeten wir uns von unserem schon bekannten City-Hotel in Auckland. Es sollte eine fast 300 Kilometer lange Strecke vor uns liegen bis zur Coromandel-Halbinsel.

Dafür ging es erst mal über die SH1 und wir kamen recht zügig voran. Doch als wir auf die SH2 und dann auf die SH25 abbogen, ging es wieder über Serpentinen weiter direkt an der Küste entlang. Wir kamen an verschiedenen Buchten vorbei, zum Beispiel der Whakatete-Bay, Ngarimo-Bay und Thornton-Bay.



Kurz vor 14.00 Uhr kamen wir in Coromandel Town an, wo wir uns mit neuen Lebensmitteln eindeckten und uns nach der bekannten “Driving Creek Railway” erkundigten. Die Kassierin erzählte uns, dass diese Bahn rollstuhlgängig sei, was wir kaum glauben konnten.

Nichtsdestotrotz machten wir uns auf den Weg, denn Mirjam ließ sich nicht davon abbringen, mit der Bahn durch den neuseeländischen Regenwald zu fahren. Notgedrungen lenkte Beate den Wagen Richtung Bahn - immer den merkwürdigen Schildern nach.



Als wir kurz nach 14.00 Uhr dort ankamen, war uns gerade eine Bahn vor der Nase weggefahren und wir überlegten stark, ob wir über eine Stunde auf die nächste Abfahrt warten sollten. Dann trafen wir die Entscheidung, doch noch Zug zu fahren (was sich später als eine gute Entscheidung herausstellte) und vertrieben uns die Zeit mit dem, was wir am besten können, nämlich mit dem Vertilgen der eben eingekauften Lebensmittel.

Ein Film informierte uns über den heute 74-jährigen Künstler und Töpfer Barry Brickell. Er entschloss sich 1961 22 Hektar hügeliges, mit Büschen übersätes Land nördlich von Coromandel zu kaufen und dort seine Töpferei anzusiedeln.

Um der Ausbeutung der Kauri-Wälder entgegen zu wirken, hat er sein gesamtes Anwesen mit Regenwald zuwachsen lassen und dafür 13.000 Bäume angepflanzt. Seit 40 Jahren setzt er seine Vision um: Das Zusammenführen von Kunst, Naturschutz und Technik. Technik und Eisenbahn werden im Allgemeinen nicht mit Kunst in Verbindung gebracht.

Barry jedoch war schon immer der Meinung, dass gut designte Eisenbahnlinien, Brücken und Tunnel in der Landschaft wunderschön aussehen können. Er baute die Schmalspurbahn ursprünglich, um Materialien wie Ton, Lehm und Holz aus den Hügeln hinunter zu seiner Töpferei zu transportieren.



Nach 25 Jahren ist der Ausbau der Eisenbahn nun fast bis zur Endstation vorgedrungen. Diese liegt auf einem hohen Bergkamm mit einer berauschenden Aussicht.

Die momentane Eisenbahnlinie mit einer Länge von 3 Kilometern verläuft in 2 Spiralen, durch 3 Tunnel, über 5 Wendepunkte und 5 Brücken. “Barry’s Driving Creek Railway” findet internationale Beachtung. Dies betrifft die Fahrt durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet, den bemerkenswerten Eisenbahnbau durch eine Privatperson, das Aufforsten des Waldes und die Kunstwerke aus Ton, die die Eisenbahnlinie säumen.

Gespannt warteten wir auf die Ankunft des selbstgebauten Zuges und ein bisschen Schiss hatten wir schon, als wir die schmalen Eisenbahnschienen sahen, die direkt in den Regenwald führten. Kurz darauf waren wir jedoch schon wieder höchst begeistert, als unser Lokführer eine der Sitzbänke mit einem Handgriff entfernte, zwei Rampen anlegte und Beate so ohne Probleme in den niedlichen Zug rollen konnte. Jetzt war es fürs Umkehren zu spät. Schnell saßen alle Passagiere auf ihren Plätzen und los ging die Fahrt in den Dschungel.



Köpfe und Ellenbogen sollte man gemäß Schildern nicht aus dem Zug halten und diese Warnung war durchaus berechtigt, denn es ging wirklich direkt vorbei an meterhohen Pflanzen und engen Tunnelwänden.





Nach einer halben Stunde Fahrt, in der der Lokführer öfter die Zugseiten wechselte, wir vor und zurück fuhren und Weichen verstellt wurden, kamen wir auf dem höchsten Punkt der Strecke, dem “Eyefull Tower”an. Das Aussichtsgebäude war rundherum mit einer Rampe versehen, so dass auch Beate bis auf die obere Plattform gelangen konnte.



So langsam machte uns die ganze Sache richtig Spaß und wir freuten uns schon auf den Rückweg, vorbei an interessanten Skulpturen, Hunderten von eingemauerten Flaschen und verzierten Mauern. Während der Fahrt wurde uns manchmal doch ein bisschen komisch zu Mute wegen der steilen Abhänge und so waren wir dann trotz aller Abendteuerlust wieder froh, als wir festen Boden unter den Füßen hatten.



Unsere Fahrt war ja damit auch noch nicht zu Ende und so langsam mußten wir auf die Tube drücken, um vor der Dunkelheit in unserem Hotel anzukommen. Das mit dem Fortbewegen ist in Neuseeland nicht ganz so einfach, weil immer wieder Hügel und Berge in langen Serpentinen-Strecken überwunden werden müssen.

Irgendwann hatten wir dann doch unser Pauanui erreicht und an der menschenleeren Hauptstrasse fanden wir unsere Unterkunft für die Nacht, die “Pauanui Pine Motor Lodge”. Mirjam ging zur Rezeption und ward längere Zeit nicht mehr gesehen. Sie hielt ein Schwätzchen mit dem Vermieter der Cottages, der ihr nicht nur die Schlüssel übergab, sondern auch alles über die Geschichte der Coromandel Peninsula, speziell über Pauanui, erzählte.

Dann konnten wir unser tolles Cottage beziehen, das normalerweise mit Wohnzimmer, einem kleinen Schlafzimmer, einer Küchenzeile und einem rolligängigen Bad ausgestattet war. Weil das Schlafzimmer etwas eng für den Rollstuhl war, öffnete man uns eine Verbindungstür zu einem weiteren Schlafzimmer mit angrenzendem Bad. Also so großzügig hatten wir bisher noch nicht gewohnt.



Wir räumten unsere Übernachtungstaschen ein und machten uns dann auf den beschriebenen Weg zum Restaurant, denn es war bereits 19.00 Uhr und langsam Zeit fürs Abendessen. Es gab zwar einen Wegweiser zum Shopping-Center, aber das Center selbst lag ziemlich ausgestorben da.

Wir hatten Glück und eine Bar mit dem Namen “The 19th Hole” war geöffnet. Mirjam war nicht ganz so begeistert, aber wegen unseres Hungers gingen wir hinein und gönnten uns eine Pizza und ein Sandwich. Nur wenige Gäste hatten sich dort zum Essen eingefunden und auch sonst lag dieser Ort wirklich am Ende von allem.

Schon bei unserer Ankunft sahen wir, dass der Ort äußerst gepflegt und neu angelegt war. Allerdings sah man nirgendwo eine Menschenseele. Der Vermieter hatte Mirjam erzählt, dass Pauanui 1970 als Feriendomizil angelegt wurde und zur Zeit aus 1.200 Häusern besteht, von denen jedoch nur 300 ständig bewohnt sind.

Am Abend hatten wir keine Lust mehr auf größere Besichtigungs-Touren, aber wir werden morgen früh den als toll beschriebenen Strand besichtigen und uns erst dann auf den Weg nach Rotorua machen.