Samstag, 24. Oktober 2009

24.10.09 Las Vegas - Zion Nationalpark

Heute Morgen war pünktliches Aufstehen angesagt, weil wir im Hilton unterschreiben mussten, dass wir um 10 Uhr auschecken würden. Wir waren sogar schon um 9.30 Uhr soweit. Da hatten wir bereits unsere Koffer gepackt und sämtliche Gepäckstücke ins Auto verfrachtet.

Ruck zuck ging es zur nächsten Tankstelle, die gleich um die Ecke lag und für 2,45 US$ tankten wir so günstig wie nie. Komisch dass hier das Benzin so billig war, obwohl Las Vegas ja nun auch mitten in der Wüste liegt. Dann machten wir uns mit vollem Tank wieder auf durch die Wüste Richtung Zion Nationalpark.

Heute würden wir 260 Kilometer zurücklegen und uns als Kontrast zur Glitzerstadt wieder mitten in die Natur stürzen. Wir verließen den Staat Nevada um 30 Kilometer durch Arizona zu fahren und erreichten den Staat Utah.

Dort machten wir einen kurzen Abstecher nach St. George. Dieser nette Ort ist bekannt für seinen Mormonen-Tempel, der zwischen 1871 und 1877 erbaut wurde. Dieser Tempel ist für Besucher nicht zugänglich aber für ein Foto hat es gerade gereicht.



Weiter ging es auf der Interstate 15 Richtung Norden, wo wir sogar zum ersten Mal die Wahnsinns-Geschwindigkeit von 75 mph fahren durften.

Bald erreichten wir die Orte Hurricane und Springdale, wo sich unsere Übernachtungs-Lodge befand. Bevor wir in den Zion Nationalpark fuhren, bogen wir kurzerhand ab zur “Majestic View Lodge” und checkten um 14.00 Uhr dort ein. Da wir uns in einer anderen Zeitzone befanden, nämlich der Mountain Zeitzone mussten wir unsere Uhren eine Stunde später stellen.



Somit erreichten wir den naheliegenden Nationalpark erst um 15.30 Uhr und nachdem wir unser Eintrittsgeld von 25 US$ entrichtet hatten, konnten wir zwischen vielfarbigen Felsschluchten und gigantischen Felsformationen aus Kalkstein, Sandstein und Schiefer umherfahren.



Auf unserem Weg durch einen langen Tunnel stellten wir fest, dass das unsere Strecke für den nächsten Tag sein würde und deshalb drehten wir beim nächsten View-Point um und begaben uns zurück zum Visitor-Center.



Die Fahrt zu den besonderen Sehenswürdigkeiten war mit dem Privatwagen nicht möglich sondern alle Besucher mussten parken und dann die Shuttle-Busse benutzen, die von 7.00 Uhr morgens bis 22.00 Uhr nachts alle 6-8 Minuten die Strecke hinauf und wieder hinunter fuhren.

Obwohl Beate mal wieder ihre typisch europäischen Bedenken hatte, den Bus-Shuttle durch den Park zu nehmen, überzeugte Mirjam sie und so machten wir uns auf zur Endstation der Shuttle-Bussse. Als Beate die vier Stufen sah, sah sie ihre Bedenken bestätigt, bis dann die typische Rampe ausgefahren wurde und Rollstuhlfahrer selbstverständlich an jeder Haltestelle ein- und aussteigen konnten.



Wir entschieden uns, bis zur Endhaltestelle mitzufahren, denn unterwegs teilte man uns noch mit, dass selbstverständlich auch der Spazierweg dort rollstuhlgerecht sei. Es ist vielleicht etwas langweilig hier immer wieder auf die Rollstuhlgängikeit hinzuweisen, aber es ist für einen europäischen Rollstuhlfahrer einfach unglaublich, inmitten wilder Natur alles selbstverständlich rollstuhlgängig vorzufinden: Von Parkplätzen über Rollstuhltoiletten bis hin zu sämtlichen abgesenkten Bürgersteigen und Aussichtspunkten.

Und die Fahrt durch den Zion Nationalpark hat sich wirklich gelohnt. Wieder einmal wusste man nicht, wo man zuerst hinsehen sollte. Der erste Halt war bei den “Three Patriarchs”, drei monumentale Felsblöcke, die uns sehr beeindruckten. Dann ging es weiter zum “Weeping Rock” bis wir an der Endstelle am “Temple of Sinawava” ankamen.



Hier hat uns die Aussicht fast umgehauen. Die dort entstandenen Felsformationen hat der Virgin River in millionenjähriger Arbeit ausgegraben und abgeschliffen. Wir ließen es uns nicht nehmen, einen kleinen Spaziergang zum Eingang der Narrows zu machen, da dieser Weg relativ eben und daher absolut rollstuhlgängig war.



Auch hier ergaben sich wieder viele Fotomotive und wir trauen es uns kaum zu sagen: wir haben heute über 200 Fotos geschossen und gehen deshalb davon aus, dass es wirklich Niemandem zuzumuten ist, einem Diavortrag über unsere Reise folgen zu müssen :-))





Und dann hatten wir noch das Glück, dass uns ein Reh mit Kitz vor die Linse lief.



Bald darauf enterten wir den nächsten Bus-Shuttle wieder hinunter zum Parkplatz und erwischten einen sehr launigen Busfahrer, der uns auf der ganzen Strecke mit Witzen und interessanten Einzelheiten über den Park amüsierte. Die Witze haben wir nicht alle verstanden, aber besonders interessant war es, zu beobachten, wie zwei Bergsteiger die schroffe Felswand hinauf stiegen. Für die Strecke benötigen sie anderthalb Tage und müssen in der Wand übernachten. Uns wurde schon beim Zuschauen schlecht. Nach Auskunft des Busfahrers klettert auch der weltbeste Free-Climber im Zion-Nationalpark und benötigt für die gleiche Strecke 8,5 Stunden.

Der Besucherandrang hat sich im Park in den letzten Jahren rasant erhöht. So gab es 1920 ca. 10 Besucher pro Tag. Heute sind es in der Hochsaison an einem Sonntag bis zu 34.000 Besucher!

Wir waren heute wieder einmal froh, dass wir jetzt im Oktober diese Tour machen. Zum einen ist die Temperatur erträglich, zum anderen sind nicht ganz so viele Besucher unterwegs und außerdem ist die Färbung der Wälder von zartem Grün über sattes Gelb bis zu leuchtendem Rot einfach phantastisch.



Mitterweile war der Tag für uns ganz schön lang und so machten wir uns auf den Rückweg zu unserer Lodge in Springdale. Hier bot sich uns das absolute Kontrastprogramm zu unserem Hilton-Hotel in Las Vegas, wo wir im 17. Stock wohnten und das Aufzugfahren direkt auf die Ohren ging.

Jetzt erwartete uns eine urige, moderne Lodge, wie man sie sich typischer nicht vorstellen kann: Mit viel Holz, ausgestopften Tieren und einer ganz speziellen Zimmereinrichtung.



Da uns der Elan fehlte, noch irgendwo im Ort ein Restaurant zu suchen, nutzten wir die Gelegenheit, im angeschlossenen Steak-House der Lodge zu Abend zu essen. Besser hätten wir es nicht treffen können. Zu dem hervorragenden Essen gab es eine Aussicht, die auf jeder Kitsch-Postkarte als gefälscht beurteilt würde.
Aber wir haben es wirklich gesehen und konnten uns kaum noch auf die Mahlzeit konzentrieren.



Wieder einmal gab es Getränke zum Nachfüllen und nach dem ausgiebigen Mahl suchten wir unser tolles Zimmer auf.

Hier könnten wir es auch noch länger aushalten, aber morgen geht es wieder weiter Richtung Bryce Canyon.

23.10.09 Las Vegas

Nach den gestrigen Strapazen haben wir uns erst einmal richtig ausgeruht. Und weil es uns am Pool so gut gefallen hatte, nutzten wir auch heute das tolle Wetter um in der Sonne zu entspannen.

Vorher mussten wir jedoch noch für unser Frühstück sorgen und stiefelten los in den nächsten kleinen Supermarkt. Dort kauften wir Wurst und Käse für unser Matsch-Brot von der Tanke aus Bishop und einige Getränke mussten auch noch her für unsere morgige Fahrt wieder einmal durch die Wüste.



Ansonsten hatten wir überlegt, lieber im Hotel etwas zu essen, da wir mittlerweile festgestellt hatten, dass das Einkaufen in den Läden fast teurer war als ein fertiges Sandwich zu bestellen. In einem Anfall von Gesundheitswahn hatten wir uns unterwegs einen Apfel und eine Birne gekauft, die jeweils fast einen Dollar kosteten und dann noch nicht mal schmeckten. Zukünftig werden wir uns wohl wieder an die frischen Obstsalate halten.

Unser Sonnenbad dauerte dieses Mal fünf Stunden und zwischendurch kühlte Mirjam sich kurz im lauwarmen Pool ab während Beate sich in einer amerikanischen Zeitung über das Weltgeschehen informierte.



 Am frühen Abend setzten wir uns an die Pool-Bar und ließen es uns bei einem Abendessen gutgehen.



Nach einer ausgiebigen Duschorgie ging es wieder auf den “Strip”. Nachdem wir in unserem Informationsblatt vom Concierge erfahren hatten, dass die verschiedenen Shows zwischen 100 und 200 US$ pro Person kosteten, stellten wir unsere Abendplanung um. Die Tanzshow, die wir gerne gesehen hätten gab es nicht und die diversen “Oben-ohne-Tanzshows” wollten wir uns nun wirklich nicht antun. So nahmen wir uns vor, selber tanzen zu gehen.

Ausgestattet mit guten Ratschlägen von unserem Concierge trabten wir wieder los Richtung “Palazzo”. Wie immer, so mussten wir auch hier das riesige Casino durchqueren und schon war Mirjam nicht mehr zu halten. Sie hatte Many versprochen, für ihn ein Quarter (25 Cent) in einen der zahlreichen Einarmigen Banditen zu werfen. Beate verdrehte bereits am Eingang des Casinos die Augen, aber da mußte sie durch. Als wir nach längerem Suchen die richtige Maschine gefunden hatten, musste ein ganzer Dollar dran glauben.



Mirjam war auch nicht wirklich Spezialistin auf diesem Gebiet, drückte mal auf jeden leuchtenden Knopf und wartete ab, was geschah. Es bimmelte fröhlich vor sich hin und kurze Zeit später hatte sie sechzig Zusatzspiele gewonnen und Beate war einem Nervenzusammenbruch nahe. Mirjam drückte weiter leuchtende Knöpfchen und plötzlich wurden aus den sechzig Spielen achtzig. Entnervt drehte Beate sich schon ab, doch Mirjam war jetzt in ihrem Element. Um Beate jedoch bei Laune zu halten und weiteren Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, ließ Mirjam sich ihren Gewinn schließlich auszahlen und rannte stolz mit ihrem 16 US$ Gutschein durchs Casino, nicht wissend, was sie überhaupt damit machen sollte. Eine Angestellte schickte uns dann zu einem Kassenautomat und dieser warf wirklich 16 echte Dollar aus.

Eigentlich wollten wir ja zum Tanzen. Eine Angestellte des Hotels schickte uns in den Nachtclub, worauf wir aber verzichteten und der befragte Concierge schlug uns vor, in die Bar zu gehen, wo zwei Klavierspieler vor sich hin sangen. Das war auch nicht ganz unsere Wellenlänge. Also verließen wir das “Palazzo” und stellten fest, dass zehn Minuten später die große Piratenshow vor dem “Treasure Island” stattfinden würde. Gar nicht so einfach dahin zu gelangen. Eigentlich waren wir direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite, aber einfach so die Straße überqueren gibt es in Las Vegas nicht. Also liefen wir den “Strip” wieder ein Stück hinauf, fuhren mit der Rolltreppe auf die Brücke, überquerten die Straße und gelangten per Rolltreppe auf der anderen Seite auf die untere Ebene. Dann rannten wir fast Richtung Piratenshow, denn wir hörten schon die Eingangsmusik.



Wirklich gute Plätze waren nicht mehr zu haben, aber von weitem konnten wir die aufwendige Show ganz gut verfolgen. Die ganze Stunt-Show hatte uns so durstig gemacht, dass wir uns in diesem Hotel eine nette Bar suchten um dort den Wahnsinns-Gewinn von Mirjam auf den Kopf zu hauen. Und wir haben es geschafft für 16,25 US$ tranken wir zwei Cocktails, Mirjam mal wieder ohne Alkohol, denn Beate konnte sie noch immer nicht wirklich von den Vorteilen des Alkohols überzeugen.



Dann machten wir uns auf den Weg ins Hotel, denn es waren noch zwei Berichte zu schreiben und außerdem sollte die Nacht kürzer werden, denn am nächsten Morgen würden wir das Zimmer um spätestens 10.00 Uhr verlassen müssen.

22.10.09 Las Vegas

Für heute hatten wir uns vorgenommen, keinen Wecker zu stellen und einfach so lange zu schlafen, wie wir wollten. Gott sei Dank hatte Mirjam in der Nacht noch die Gardinen zugezogen. Eigentlich wollten wir ja noch das Geflimmer und die Leuchten von Las Vegas auf uns wirken lassen, aber unser Nachbarhotel “Circus Circus” übertreibt es etwas mit der Beleuchtung und deshalb war es doch besser, bei zugezogenen Gardinen zu schlafen.

Wir hätten auch nicht wirklich ausschlafen können, denn schon morgens früh schien die Sonne bei stahlblauem Himmel. Wir ließen es langsam angehen und rafften uns gerade noch auf, in die hoteleigene Markthalle zu gehen und uns ein Sandwich für Mittags zu besorgen. Dann hielt uns nichts mehr und wir zogen los, Richtung Pool. Dort richteten wir uns gemütlich ein auf unseren Liegen mit je zwei Handtüchern und legten uns in die Sonne.

Nach einer Stunde Sonnenbad wurde es leider etwas schattig, das lag aber nicht an aufkommenden Wolken sondern daran, dass in nächster Nachbarschaft ein riesiges Hochhaus für einen Stunde seinen Schatten auf unser Poolgelände warf. Um 12.30 Uhr war das Frieren im Schatten dann vorbei und wir genossen noch weitere vier Stunden am Pool.



Dann hieß es “auf ins Zimmer” und chic machen für den Abend. Wir hatten uns vorgenommen, den “Strip” zu besuchen und möglichst viel von den verschiedenen Themenhotels mitzukriegen. Beim Concierge erkundigten wir uns nach Shows, die wir am nächsten Abend besuchen wollten und wie man am besten zum “Strip” käme. Uns wurde mitgeteilt, dass die interessantesten Hotels etwa eine Meile entfernt wären. Das erschien uns machbar zu Fuß und so stiefelten wir los.

Flotten Schrittes, als wären wir auf der Flucht, stürzten wir uns in das Las Vegas Lichtermeer. Gar nicht so einfach , auf die Schlaglöcher im Bürgersteig zu achten, gleichzeitig mit großen Augen die Hotelattraktionen zu sehen, den diversen Leuten auszuweichen und die Bordsteinabflachungen zu finden. Aber wir sind ja Profis und so bestaunten wir alle Attraktionen.

Eine ganz besondere Attraktion muss Beate gewesen sein, denn ständig freuten sich die Leute über die leuchtenden Vorderräder, sprachen uns an, quietschen, kreischten und waren völlig aus dem Häuschen.

Auf unserem Weg den Strip hinunter, kamen wir zuerst an unserem Nachbarhotel “Circus Circus” vorbei, das mit seinen vielen hundert Blinklichtern ein Zirkuszelt und Clowns darstellt.



Von weitem bewunderten wir den “Trump Tower”, den wir schon vom Fenster aus gesehen hatten und auf der anderen Seite befand sich das “Stratosphere”, mit seinem hohen Turm. der mit einer Aussichtswarte und einem Drehrestaurant ausgestattet ist. Für einen Nervenkitzel der besonderen Art sorgt eine Achterbahn, die um die Spitze des Turmes im Freien verläuft. Man kann sich per Hydraulik an das obere Ende des Turm katapultieren lassen.

Anschließend kamen wir zum “Treasure Island”, das Abenteurer und Seefahrer zum Thema hat. Die Wahnsinns-Show, die vor den Toren des Hotels stattfindet, haben wir nicht gesehen, da sie erst eine Stunde später beginnen sollte.

Leider ist das Fortbewegen entlang des “Strips” nicht ganz so einfach, wie man es sich vorstellt. Manchmal muss man, um die Straße zu überqueren diverse Rolltreppen rauf, über Brücken laufen und dann mit der Rolltreppe wieder runter. Für Rollstuhlfahrer gibt es natürlich Aufzüge, die wir selbstverständlich nicht genutzt haben. Denn wir sind passionierte Rolltreppenfahrer und waren auf jeder Rolltreppe die Attraktion.

Kaum hatten wir das “Treasure Island” hinter uns gelassen, schon hörten wir die nächste laute Musik mit Trommeln und wilden Klängen. Wir standen vor “The Mirage” und dort fand gerade ein künstlicher Vulkanausbruch statt. Wir sahen uns nur an und sagten mal wieder “Die spinnen, die Amis!”.



Noch flimmerte es vor unseren Augen von dem wilden Feuer- und Rauchshow, als wir an eine Fatamorgana dachten, denn das riesige “Caesar’s Palace” lag vor uns.



Alleine die Hotelfassade brachte uns dazu, einige Fotos zu machen, als die nächste Musikdröhnung auf uns hereinbrach und wir eilig zum “Bellagio” liefen. Dort lief gerade die riesige Wasserorgel an zu der Musik von Celine Dion.



Am “Monte Carlo” vorbei kamen wir zum Hotel “New York, New York”, wo wir außer der Brooklyn Bridge auch die Freiheitsstatue und die Skyline von New York aus der Nähe betrachten konnten.



Ganz interessant war auch die Fassade des “Excalibur”. Auf der anderen Seite des “Strip” fanden wir eines der größten Hotels der Welt mit dem “MGM Grand Hotel”, dessen Bau über eine Milliarde Doller gekostet hat.

Dann ging es den Strip wieder hinauf, an den glitzernden “Planet Hollywood”, “Paris”, “Bally’s”, “Flamingo” und “Harrah’s” vorbei. Dann endlich hatten wir das “Venezian” erreicht, wegen dem Beate schon den ganzen Abend gequengelt hatte, denn sie wollte dort unbedingt hinein.



Mittlerweile merkten wir auch, dass wir hungrig waren, denn vor lauter gucken hatten wir ganz vergessen, dass wir eigentlich irgendwo etwas zu Abend essen wollten. Aus der einen Meile waren mittlerweile zehn Kilometer geworden und trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, auch das “Venezian” zu durchkreuzen und alles genau anzusehen. Dafür mussten wir, um zum Eingang zu gelangen, Laufbänder benutzen, die sanft bergauf führten. Das große Rollstuhl-Verbotsschild übersahen wir geflissentlich, stürzten uns auf das Band und ließen uns in aller Ruhe nach oben ziehen. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten, war, dass es danach wieder steil hinunter gehen würde. Beate klammerte sich an die Gummi-Handläufe und Mirjam hielt hinten die Stellung. Diverse junge Männer erklärten sich bereit, uns aufzufangen und ein entgegekommender Gast meinte: “Hope, she’s a good friend!” Das hoffte Beate auch und mit leichten Schweißperlen auf der Stirn kamen wir (mehr oder weniger) sicher im “Venezians” an.



Nach diversen Irrläufen durch die verzweigten Wasserwege eines künstlichen Venedigs wurden wir fündig und strebten auf dem Markusplatz ein italienisches Restaurant an. Nach diesem Gewaltmarsch (es war mittlerweile 23.00 Uhr) hatten wir uns unser Abendessen redlich verdient. Bei Bruscetta und Pizza Quattro Staggioni ließen wir uns von der wahnsinnigen Umgebung beindrucken. Unter dem Kunsthimmel hatte man das Gefühl, es sei Tag und die singenden Gondolieri trugen ihres dazu bei, dass man wirklich vergaß, wo man eigentlich war. Zwischendurch überfiel Mirjam ein kleines Tief und ihr fielen vor Erschöpfung am Tisch fast die Augen zu.



Nach Mitternacht machten wir uns auf den Heimweg und kamen noch am “Palazzo”, am “Wynn” und am “The Riviera” vorbei. Weit nach Mitternacht erreichten wir endlich unser “Hilton”, konnten uns gerade noch von den Klamotten befreien und fielen dann wie tot ins Bett.

Zum ersten Mal auf dieser Reise haben wir es nicht mehr geschafft, den Tagesbericht zu schreiben. Das war auch kein Wunder, denn wir sind an diesem Tag nach unserem Faulenzerdasein am Pool den sechs Kilometer langen “Strip” hinunter und wieder hinauf gelaufen, dazu verschiedene Hotels besichtigt, unzählige Rolltreppen benutzt, uns durch Menschenmassen geschoben und wahnsinnig viele Eindrücke aufgenommen. Unser Fazit des Tages: "Die spinnen, die Amis!"

Mittwoch, 21. Oktober 2009

21.10.09 Death Valley - Las Vegas

Nach einem eher sehr improvisierten Zimmer-Frühstück mit Matsch-Brot und alter Salami machten wir uns heute auf den Weg Richtung Las Vegas. Um unseren Tank noch einmal zu füllen, steuerten wir die Tankstelle unseres Hotels an und tankten zum geringen Preis von 4,16 US$. Dann machten wir uns auf den Weg nach Bad water zum tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre mt 85.5 Meter unter dem Meeresspiegel.



Der Salzwasser-See war fast ganz verschwunden und obwohl uns unser schlaues Büchlein mitgeteilt hatte, es würde dort oft nach Schwefel riechen, nahmen wir nichts davon wahr. Wir ließen es uns aber nicht nehmen, ein ganzes Stück über diese ausgetrocknete Salzkruste zu laufen und diese besondere Umgebung zu genießen.



Dann hatten wir es doch etwas eilig, endlich aus diesem toten Tal herauszukommen und begaben uns auf schnellstem Weg nach Las Vegas. Aber was heißt schon schnellster Weg in Amerika. Zwischendurch war es uns sogar mal erlaubt, 70mph (ca. 110 km/h) zu fahren, was uns nach kurzer Zeit wieder wie schleichen vorkam, denn ohne nix drumrum kommt einem jeder Weg wie eine Ewigkeit vor.

Gefühlte 24 Stunden später (in Wirklichkeit waren es 2) kamen wir an keinen Bäumen, keinen Sträuchern, keinem Grün, keinem Haus und keiner anderen Zivilisation vorbei. Alle halbe Stunde fuhr uns ein Auto entgegen und fast hätten wir noch gewunken aus Langeweile.

Dann endlich sahen wir von weitem die Skyline von Las Vegas und zehn Minuten später standen wir bereits im Stau. Mühsam schlichen wir Richtung Strip und kurz darauf hatten wir auch schon den “Hilton Grand Vacations Club” erreicht.

Schwungvoll parkte Mirjam den Wagen auf dem nahegelegenen Parkplatz und los ging es zur Rezeption zum Check-in. Leider wollte man uns in diesem Hotel nicht haben. Wir hatten nämlich das falsche von drei Hiltons mit dem gleichen Namen erwischt. Allerdings muss es schon andere vor uns gegeben haben mit dem gleichen Problem, denn die Rezeptionistin drückte uns ein Blatt mit der Wegbeschreibung zum anderen Hotel zwei Ecken weiter in die Hand. Daraufhin fanden wir unsere Schlafstätte auch recht zügig, dafür aber keinen Parkplatz. Der Bellboy half uns, unsere diversen Koffer und Taschen aus dem Auto zu laden und Mirjam brachte den Impala in die Tiefgarage. Beate checkte währenddessen ein und eine halbe Stunde später bezogen wir unser Zimmer im 17. Stock in Tower 1.



Nach der üblichen Raum- und Badbesichtigung schauten wir zufällig aus dem Fenster, sahen unseren tollen Pool und nichts hielt uns mehr in geschlossenen Räumen. Wir machten noch einen kurzen Rundgang durchs Hotel und landeten bald darauf im Poolbereich. Etwas später entschieden wir, uns gleich mal auf eine Liege zu werfen und die warme Abendsonne zu genießen.



Eineinhalb Stunden später rief jedoch die Pflicht.Wir sammelten unsere diversen schmutzige Wäschestücke zusammen, fuhren mit dem Lift in die erste Etage zur Laundry, wo wir kostenlos alles waschen und trocknen konnten. Die Zeit verging auch recht schnell, denn wir trafen eine amerikanische Touristin, die sehr an unserer Reise interessiert war und uns Interessantes über ihre Familie erzählte. Nebenbei erklärte sie uns noch die Funktionsweise der amerikanischen Waschmaschinen und so stand der Reinigungsaktion unserer Kleidungsstücke nichts mehr im Wege. Sehr praktisch war, dass die Waschmaschinen in Amerika schon nach 40 Minuten fertig sind und wir nach drei Maschinen Wäsche und zwei Stunden Wartezeit unsere Kleidung von 14 Tagen Reise wieder sauber und trocken mitnehmen konnten.



Mittlerweile war es auch schon fast 20.00 Uhr geworden und so langsam hing uns der Magen auf den Schuhen. Also brachten wir nur noch schnell unsere Kleidung säckeweise ins Zimmer und schmissen alles aufs Bett. Licht brauchten wir im Zimmer nicht anzumachen, denn beim Blick aus unserem Fenster flimmerte es bis zum Horizont.

Dann machten wir uns auf den Weg zum nächsten Dinner-Lokal. Wir wussten ja, dass es in Amerika kein Problem ist, an jeder Ecke etwas zu Essen zu kriegen - außer in Las Vegas. Etwas hilflos stolperten wir zwischen Glitzerlichtern und Blinkleuchten die Straße hinunter, wobei die Verletzungsgefahr wieder sehr groß war, denn statt auf den Weg zu achten, gingen unsere Augen nur staunend von links nach rechts. Doch auch die Leute, die uns entgegen kamen, hatten ganz viel Spass und wir wußten erst gar nicht, warum. Dann jedoch merkten wir, dass alle ganz begeistert waren von Beates blinkenden Vorderrädern. Dabei sollten diese Räder in dieser Glitzerstadt eigentlich nichts besonderes sein. Außer Spielkasinos und Hochzeitskapellen fanden wir erst einmal nichts. Müssen die Menschen hier nicht essen??


Im Hotel Sahara mussten wir unter einer Achterbahn durch und zwei große Spielhallen durchqueren und so fanden wir in der letzten Ecke ein Restaurant. Was man halt in Amerika so “Restaurant” nennt: eine große Bar, ein paar ungemütliche Tische drum herum, natürlich weder Tischdecken noch Servietten und hier als Besonderheit ca. 8 kleine Fernseher und 4 Kinoleinwände, auf denen verschiedene Programme abgespielt wurden. Außerdem blinkte und leuchtete es aus allen Ecken und weil das noch nicht reichte, dröhnte Musik aus mehreren Lautsprechern. Mirjam bestellte sich eine halbe Portion Mozzarella-Sticks und Beate hatte noch immer nicht dazu gelernt und orderte Fish&Chips. Dazu nahmen wir ein Glas Zitronenlimo. Nach einer Weile wurde das Essen gebracht und Beate war schon vomHhingucken satt: Ein riesen Plastikkorb voll mit Kringel-Pommes und vier großen Stücken paniertem Fisch. Das Getränk gab es wie immer aus einem Plastikbecher und mit der Rechnung kam gleich noch eine zweite Portion Getränke, die anscheinend schon im Preis inbegriffen war. Wir werden es nie verstehen...



So langsam ging die Uhr auf 22.00 Uhr zu und wir machten uns auf den Rückweg ins Hotel. Leider war der Abend damit noch nicht beendet, denn in unserem Zimmer sah es aus, als wäre eine Diebesbande unterwegs gewesen und hätte unsere Koffer und Taschen durchwühlt und alles im ganzen Zimmer verteilt. Notgedrungen mussten wir uns an die Aufräumarbeiten machen, denn eigentlich würden wir heute auch noch gerne irgendwann unser Bett aufsuchen. Morgen werden wir mit neuer Kraft und Energie diese Wahnsinns-Stadt erkunden.

Dienstag, 20. Oktober 2009

20.10.09 Mammoth Lakes - Death Valley

Beim Aufwachen überraschten uns ein strahlend blauer Himmel, schneebedeckte Berge und klirrende Kälte. Trotzdem quälten wir uns aus dem Bett, improvisierten ein Frühstück im Zimmer und versuchten, unsere Tüten und Taschen wieder ins Auto zu bringen. Dies war eine rutschige und eiskalte Angelegenheit. Die Autoscheiben waren vereist und der Wagen verschneit. Darauf waren wir nicht wirklich eingestellt. Gott sei Dank hatten wir zusätzlich zu unseren T-Shirts noch Strickjacken und Allwetterjacken im Zimmer. Die waren auch wirklich nötig. Trotzdem war es einfach toll, den Morgen in frischer Bergluft auf fast 3.000 Meter Höhe zu beginnen.





Bald darauf rollten wir jedoch schon abwärts, um Richtung Bishop und Death Valley zu fahren. Im nächsten größeren Ort, Bishop, tankten wir noch günstig, deckten uns mit der nötigsten Verpflegung ein und machten uns auf den Weg ins “Tote Tal”.

Kurz vor der Einfahrt in den Death Valley Nationalpark machten wir eine Pause in Lone Pine, einer einsamen Westernstadt. Einstimmig kamen wir überein, dass dort der Hund begraben sei. Da wussten wir noch nicht, welche Landschaften noch auf uns zukommen würden.



Hunderte Kilometer ging es durch öde Landschaften mit kaum Vegetation. Zuerst war die Straße kerzengerade und das Fahren direkt langweilig. Später ging die Strecke dann in Serpentinen über und wir schlängelten uns bergab durch Hügel, die in den verschiedensten Farben leuchteten. Fasziniert beobachteten wir unser Autothermometer, das mit jedem weiteren Kilometer höher stieg. So waren wir bei - 5 °C losgefahren und erreichten bald die 30°C-Grenze. Das gehört sich auch so für eine Wüste. Das Death Valley ist eine der trockensten und heißesten Gegenden der Welt.



Unser schlaues Büchlein hatte empfohlen, genügend Getränke und Kühlwasser für den Motor mitzunehmen. Außerdem sollte der Tank gefüllt sein, denn eine Tankstelle würde es unterwegs nicht geben. Dazu gab es noch Ratschläge, die Klimaanlage auszuschalten, damit der Motor nicht überhitze.

Im Sommer können im Death Valley durchaus Temperaturen von über 50 °C entstehen. 1913 wurde hier die höchste Temperatur mit 56,7 °C gemessen.

An unseren Ohren merkten wir, dass auch die Höhenmeter immer weniger wurden. So fuhren wir an diesem Tag von fast 3.000 Meter über dem Meeresspiegel auf 60 Meter unter dem Meeresspiegel.



Nicht nur für uns waren diese Temperatur,-und Höhenunterschiede eine Strapaze, sondern auch unsere Shampoo-Flaschen litten. Waren sie in den Bergen noch aufgebläht, so waren sie bei unserer Ankunft im Hotel total zusammengedrückt. Ganz besonders machte sich dieses Phänomen auch bei Beates Sitzkissen bemerkbar, dass sich in Mammoth Lakes nach außen wölbte, so dass wir dringend Luft raus lassen mussten. Dafür hat Beate sich die Lunge überanstrengt, um das Kissen in Furnace Creek wieder aufzublasen.

Auf dem Weg zu unserer Übernachtungs-Ranch machten wir noch einen Abstecher zu Scotty’s Castle. Auf dem Weg dorthin war die Straße recht wellig und Mirjam machte sich einen Spaß daraus, vor den Hügeln kräftig Gas zu geben, damit Beate mal das Gefühl hatte auf einer Achterbahn zu sitzen. Leider bekam ihr diese Kirmes-Fahrerei gar nicht so gut und bevor noch ein Unglück passieren würde, bemühte Mirjam sich etwas gezügelter zu fahren.

Nach langen Kilometern - wir dachten schon, wir kämen nie an - erreichten wir das Schlösschen. Der Bau dieses Gebäudes wurde 1922 von dem amerikanischen Multimillionär Albert Mussey Johnson begonnen. Walter Scott, ein altes Schlitzohr, hatte den Millionär davon überzeugt, mehrere tausend Dollar in eine nicht vorhandene Goldmine im Death Valley zu investieren. Als dieser die Mine eines Tages besuchen wollte, bemerkte er den Betrug. Er war jedoch so begeistert von dem warmen Klima des Death Valley, dass er sich entschloss, ein großes Grundstück zu erwerben und dort eine Villa zu errichten. Trotz des Betruges waren die Männer zeitlebens Freunde und Johnson, der in der Weltwirtschaftskrise Pleite ging, räumte Walter Scott ein lebenslanges Wohnrecht in seinem Haus ein. Also wir können die Begeisterung von Johnson für die Landschaft in diesem Gebiet so gar nicht verstehen. Schon mit dem Auto ist die Strecke eine Strapaze. Wie muss das erst Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen sein, als alle Lebensmittel und sonstige Dinge des täglichen Gebrauchs auf Mauleseln dorthin transportiert wurden.





Trotz allem war es ein netter Ausflug in eine tolle Oase mitten in öder Wüstenlandschaft. Bald machten wir uns auf, zurück auf unsere Wegstrecke Richtung Furnace Creek Ranch. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir unser Übernachtungslager, checkten ein und fuhren zu unserem kleinen Reihenbungalow Nr. 403. Wir sahen uns kurz das Zimmer an, statteten das Bad mal wieder mit einem Gartenstuhl aus, den wir von unserer Terrasse holten und machten einen Rundgang über das große Gelände der Ranch.



Die Furnace Creek Ranch ist mit Swimming-Pool, Tennisplätzen, Golfplatz, div. Saloons, Restaurants und einem kleinen Freilichtmuseum ausgestattet. Wir konnten uns allerdings nur noch zu einer Pizza To-Go aufraffen und werden unsere Umgebung am nächsten Tag noch einmal gründlich besichtigen.

Mit unserer Riesenpizza ließen wir uns auf unserer Terrasse nieder und genossen unser Mahl aus Pappschachtel und Getränkedosen bei untergehender Sonne.
 

Montag, 19. Oktober 2009

19.10.09 Yosemite - Mammoth Lakes

Wieder einmal mussten wir früh aus dem Bett, denn es war klar, dass einige Kilometer vor uns lagen und die Strecke nicht ganz einfach sein würde. Also machten wir, dass wir fertig wurden und begaben uns Richtung Frühstückssaal. Obwohl man uns empfohlen hatte, dort mit dem Auto hinzufahren, war es unser sportlicher Ehrgeiz, die 20 Meter zu Fuß zu bewältigen.

Wider Erwarten schafften wir die Strecke mühelos und konnten uns danach bei dem typisch kontinentalen Frühstück stärken: labberiges Toastbrot, dünne Marmelade, künstlicher Orangensaft und dünner Kaffee. Das einzige was uns noch aufrecht erhielt, war die selbstgemachte Waffel.

Nach einer halben Stunde verließen wir diese gastliche Stätte und machten uns auf den Weg wieder in den Yosemite Nationalpark. Wir hatten noch die Eintrittskarten vom Vortag und brauchten somit nicht noch einmal bezahlen. Am “El Portal” begrüßte uns der freundliche Ranger mit “Welcome back!” Wir fuhren nur kurze Zeit auf der altbekannten Strecke und bogen dann ab auf die 120, den Tioga Pass hinauf.

Anfangs fuhren wir durch riesige verbrannte Waldgebiete, die wirklich traurig aussahen.



Dann wurde es mit jedem Höhenmeter grüner und waldiger. Einige Zeit durchquerten wir riesige Waldgebiete, die uns mit ihren tollen Herbstfarben begeisterten. Fast hätten wir im Vorbeifahren die Wasserfälle übersehen auch hier gab es wieder tolle Aussichten und an dem Druck auf den Ohren wurde uns klar, dass wir einige Höhenmeter hinter uns gebracht hatten. Am höchsten Punkt erreichten wir fast 3.300 Meter.



Hier erwarteten uns schneebedeckte Berggipfel, dunkelblaue Bergseen, riesige Felsen und die für diese Höhe typische Vegetation. Bei strahlend blauem Himmel genossen wir die Sierra Nevada. Nach drei Stunden Fahrt durch die unglaubliche Natur ging es langsam wieder bergab.







Es zogen einige Wolken auf und zu Mirjams Freude fielen sogar ein paar Schneeflocken. Wir waren immer wieder begeistert, welche neue Aussichten sich nach jeder Kurve boten.



Als wir dann meinten, jetzt könnte nichts Besseres mehr kommen, fuhren wir über einen Hügel und erblickten den blauesten See, den wir je gesehen hatten. Vor uns lag der “Mono Lake”, der in allen Blau- und Türkistönen schimmerte.


Am Abend vorher hatten wir uns aus unserem schlauen Heftchen bereits über diesen See informiert. Deshalb wollten wir ihn uns unbedingt näher ansehen.

Das Aufeinandertreffen von Frischwasserquellen unter dem See mit der Vulkanasche am Seeboden und dem stark salzhaltigen Seewasser bildet Türme, die “Tufa” genannt werden. Tufa sind kalksteinhaltige poröse Ablagerungen, die sich zu skurrilen, leicht verwitterten Stalakmiten formen.

Um Näheres zu erfahren über dieses Phänomen, besuchten wir das Visitor Center in der Nähe von Lee Vining. Während wir in aller Ruhe den Ausblick auf den See genossen, bemerkten wir plötzlich, wie eine dunkle Wetterfront vom Tioga Pass her auf den See zukam. Wir beschlossen möglichst schnell unser Auto wieder aufzusuchen und zum Südende des Sees zu fahren, bevor uns dieses Schlechtwetter einholen würde. Gesagt getan, schmiss Mirjam ein paar Kohlen aufs Feuer und wir schossen Richtung Südseite des Mono Sees.



Kaum hatten wir die Hauptstrasse erreicht, sahen wir einen Ranger, der bei der Zufahrt zum Tioga Pass das große Schild “Closed” anbrachte. Das bedeutete, dass 20 Minuten nach unserer Ausfahrt der Pass gesperrt wurde. Meine Güte hatten wir ein Glück! Und mit diesem Glück ging es auch fast so weiter.

Wir fuhren der Schlechtwetterfront davon zu den Tufas. Jetzt lag es nur noch an Mirjams Können bei Fotografieren die richtige Richtung zu wählen, denn die eine Seite des Sees war bereits in graue Wolken getaucht, während die andere Seite unter strahlend blauem Himmel leuchtete.





Wir schafften es tatsächlich, trockenen Fußes wieder weiterzukommen und beschlossen angesichts des Wetters direkt nach Mammoth Lake zu fahren, um dort unsere Einkäufe zu tätigen. Für den Abend und den nächsten Morgen musste vorgesorgt werden, weil das Hotel weit oberhalb des Ortes lag und wir von jeglicher Zivilisation abgeschnitten sein würden.

Leider erwischte uns das schlechte Wetter doch noch und als wir in den Supermarkt wollten, schlug uns ein Schneesturm entgegen. Wir kämpften uns bis zur Eingangstür durch Wind und Wetter und kauften schön langsam ein, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessern würde. Mit dem Resultat, dass wir 60 US$ für Essen und Getränke ausgaben und das Wetter weiterhin schlecht war.



Also kämpften wir uns wieder in unsere Karre, beladen mit Tüten und Taschen. Jetzt mussten wir nur noch den Ort durchqueren und dann irgendwo rechts abbiegen, den Berg hinauf zu unserem “Mammoth Mountain Inn”.

In der Zwischenzeit hatte es so viel geschneit, dass Mirjams Freude über die schönen Schneeflocken stark nachließ und eher in eine Panik umschlug. So langsam fingen wir an, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir am nächsten Morgen weiterkommen sollten. Passend zum Wetter sahen wir dann auch gleich mal den ersten Skilift. Hinter dem Lift entdeckten wir unser Hotel, rutschten mit unseren Sommerreifen auf den verschneiten Parkplatz und kämpften uns durch das Schneegestöber ins Hotel.





Hier erwartete uns eine gemütliche Lobby und tatsächlich flackerndes Kaminfeuer und Country-Musik. Kaum zu glauben, dass wir am Morgen noch im T-Shirt bei über 20 Grad losfuhren und jetzt bei -5 Grad hier auf 2.750 Meter ankamen.



Nach einem kurzen Check-in konnten wir unser gemütliches Zimmer beziehen. Während Beate sich im Zimmer schon mal häuslich einrichtete (Kaffee kochen, Heizung anwerfen und Bad besichtigen) wurde Mirjam wieder in den Sturm hinausgetrieben, um unseren schneebedeckten Impala in die Tiefgarage zu fahren und das Tagesgepäck hinauszuholen.

Mirjam lenkte das Auto um die Kurve und wollte durch den Schneesturm bergauf in die Garage fahren. Dabei kam sie bereits so ins Schlittern, dass sie sich entschloss, vorsichtig umzudrehen und lieber im Schnee vor der Tür zu parken als am nächsten Tag in einer zugeschneiten Garage zu stehen und den Berg nicht mehr herunter zu kommen.

Vollgepackt mit den Einkäufen und dem Gepäck war auch Mirjam froh, ein warmes Heim gefunden zu haben und so nahmen wir uns vor, die Hütte nicht mehr zu verlassen und es uns drinnen gemütlich zu machen.

Das einzige wozu wir uns noch aufraffen konnten, war einen heißen Tee zu kochen und den Wetterkanal anzusehen. Immerhin waren wir - und insbesondere Mirjam - beruhigt, dass für den nächsten Tag zwar Minus-Temperaturen aber immerhin Sonne angesagt war.



Nach unserer Tagesarbeit, dem Bericht schreiben und Fotos sortieren, holten wir unsere Einkäufe hervor, verteilten sie im ganzen Zimmer und hielten ein Ranger-Picknick ab. Nebenher lief amerikanisches Fernsehen und so langsam bemerkten wir, dass wir dem Programm ohne große Probleme folgen konnte. Das heißt, dass unser Englisch immer besser wird. Das merkten wir auch beim Check-in und weiteren Fragen an das Hotel-Personal. Trotzdem sind wir manchmal froh, deutsche Urlauber zu treffen und mit Ihnen Reiseerfahrungen auszutauschen, so wie heute morgen beim Frühstück in Mariposa.