Sonntag, 8. November 2009

06.11.09 Zusammenfassung USA

Ein Drittel unserer Weltreise ist nun um und es ist Zeit, ein Resümee über Amerika zu ziehen. Wir haben in diesen ersten 4 Wochen unserer Reise sehr viel erlebt und viele neue Eindrücke gewonnen.



Um das Ganze etwas geordnet darzustellen, werden wir diese Zusammenfassung in verschiedene Kapitel unterteilen.

1. Allgemeine Betrachtung und persönliche Eindrücke
2. Unsere Unterkünfte
3. Rollstuhlgängigkeit
4. Statistiken


1. Allgemeine Betrachtung und persönliche Eindrücke

Gleich nach unserer Ankunft am John F. Kennedy Flughafen in New York wurden wir sehr freundlich von den Amerikanern begrüßt und der “Big Apple” hat uns sofort fasziniert. Unser Hotel im Herzen von Manhattan war bestens ausgestattet und Beate war gleich begeistert von dem Roll-in-shower mit klappbarem, gepolsterten Duschsitz.

Was uns schon in New York aufgefallen war, war die absolute Hilfsbereitschaft der Amerikaner, die uns durch unsere gesamte Reisezeit begleitete. Wir hatten vorher von der hektischen Großstadt New York gelesen und waren nun positiv überrascht, dass Besucher und Geschäftsleute sehr gelassen waren und es kein Vordrängeln oder missmutige Gesichter bei längerer Wartezeit gab. Alle standen immer geduldig in der Line, ob es nun um das Bestellen eines Kaffees ging oder um das Einsteigen in den Bus. Wenn wir mit unserem Plan in der Hand etwas unsicher umher schauten, gab es immer einen freundlichen Helfer, der uns gerne beratend zur Seite stand.

In der heutigen globalen Welt sind wir davon ausgegangen, dass die Unterschiede im Zusammenleben und im Alltag zwischen Europa und Amerika gleich sind. Dann stellten wir jedoch bei vielen Gelegenheiten fest, dass sich eben doch einiges unterscheidet. So zum Beispiel beim Tanken, beim Betreten eines Restaurants, das Bezahlen mit der Kreditkarte bei unterschiedlichsten Gelegenheiten und das Verhalten an der Supermarktkasse.

Etwas kompliziert waren für uns auch die unterschiedlichen Maßeinheiten von Feet,Oz, Fahrenheit, Gallonen usw..
Auch die verschiedenen Verkehrsregelungen mit Verkehrsschildern, die fast nie Symbole enthielten, sondern fast immer schriftlich auf Gefahren oder Verhaltensregeln hinwiesen, stellten für uns eine Herausforderung dar. Aber weil der Mensch sich ja an alles gewöhnt, haben wir uns nach einiger Zeit fast heimisch gefühlt und als wir dann wirklich so einigermaßen wussten, welche Ausdrücke man benutzt und wie man überall klar kommt, haben wir Amerika schon wieder verlassen.

Ein Wort muss noch gesagt sein zur amerikanischen Ernährung. Da haben sich unsere Vorurteile wirklich bestätigt. In der Großstadt New York waren wir noch überrascht, wie gesund die jungen Leute sich ernähren. Überall gab es Restaurants mit Naturkost, viel Obst und Gemüse. Je weiter wir jedoch reisten, desto schwieriger wurde die gesunde Ernährung. Bald ernährten wir uns nur noch von Sandwiches, Pommes und Pizza. Zwischendurch gab es auch einmal ein Steak aber vor allem machten uns die riesigen Portionen zu schaffen. Auf jeden Fall haben wir einige Pfunde zugenommen und hoffen, dass wir unser Gewicht auf unserer weiteren Reise wieder in den Griff bekommen.

Manchmal war es auch gar nicht so leicht, sich zu verständigen. Obwohl wir beide recht gut englisch sprechen, hatten wir manchmal das Gefühl auf dem Mond zu sein, denn die breitgezogenen amerikanischen Dialekte waren doch eine ziemliche Herausforderung für uns. Hier nur einige Beispiele der amerikanischen Ausdrucksweise: Brokkoli = Broaköli, Ferrero Rocher = Förörörösche ( beim “r” bitte die Zunge am Gaumen rollen), Flagstaff = Fläägstääff.


2. Unsere Unterkünfte

Auf unsere Fahrt durch Großstädte und Nationalparks haben wir die verschiedensten Hotels kennen gelernt. Besonders auffällig war, dass die verschiedenen Hotelketten (Best Western, Holiday Inn, Comfort Inn und Marriott, Hilton) immer die gleiche Zimmerausstattung aufwiesen.

Wir übernachteten in Queen-Size- oder King-Size-Betten, dazu gab es den großen Fernseher, oft auch als Flachbildschirm. Desweiteren gab es in jedem Zimmer eine Kaffee-Maschine, oftmals auch Kühlschrank und Mikrowelle, sowie das obligatorische Bügelbrett mit Bügeleisen. Fast jedes Hotel war auch mit einem Pool ausgestattet, wobei das Wort “Pool” oftmals übertrieben war für die quadratische Pfütze, die wir manchmal vorfanden.

Unsere Reise war vorgebucht über DERTOUR-Rundreisen. Alle Check-ins klappten zügig und professionell. Wir erhielten immer das vorgebuchte rollstuhlgerechte Zimmer und auch das Auschecken ging schnell und reibungslos über die Bühne.

Es war für uns eine große Erleichterung, dass wir unsere Koffer und die große Reisetasche namens “Medical-Bag” im Auto ließen und nur unsere Rucksäcke mit dem Notwendigsten mit aufs Zimmer nahmen. Nur an den Orten, an denen wir mehr als zwei Tage blieben, nahmen wir unsere Koffer mit ins Zimmer um die Kleidung neu zu sortieren.

Praktisch war auch, dass fast jedes Hotel eine Laundry besaß, in der man teilweise sogar kostenlos seine Wäsche waschen konnte. Sehr verblüfft waren wir darüber, dass jedes Hotel Internet anbot, meistens W-LAN. Nur in zwei Hotels wurde dafür eine Gebühr erhoben.


3. Rollstuhlgängigkeit

Ami-Land = Rolli-Land. Wie schon vor 25 Jahren bei Beates erstem Amerika-Aufenthalt, so war sie auch dieses Mal wieder begeistert von der absoluten Rollstuhlgängigkeit dieses Landes. Was in Deutschland jedes Mal einen riesigen Wirbel verursacht, ist in Amerika absolut gang und gäbe.

In fast jeder Straße gibt es Behindertenparkplätze, die auch von älteren Leuten mit einem Spezialausweis, den man bei der Stadt beantragen kann, benutzt werden können. Es gibt kein Geschäft, auch nicht den kleinsten Laden, ohne Behindertenparkplatz vor der Tür. Wir haben nicht ein einziges Gebäude gefunden, in dem nicht jede Stufe oder Treppe auch mit einer Rampe oder einem Lift versehen war. Sogar der kleine Starbucks-Laden in San Francisco mit fünf Stehtischen, hatte neben der Treppe im Inneren einen Treppenlift für Rollstuhlfahrer.
Es ist in Amerika gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Gebäude rollstuhlgerecht gebaut sein müssen. Hinzu kommt, dass jedes Restaurant eine breitere Toilette hat. Wenn nur eine Toilette vorhanden ist, so ist diese auf jeden Fall rollstuhlfreundlich.

Sämtliche Busse haben elektrische Rampen und die gesamte vordere Hälfte ist für Behinderte und ältere Personen reserviert, was auch beinhaltet, dass jeder jüngere Fahrgast besondere Rücksicht nimmt und den Platz für ältere Mitfahrer frei macht. Mirjam kam sich teilweise schon so vor, als sei sie als Fußgänger nur geduldet in diesem Land, in dem es von Rollstuhlschildern nur so wimmelt.
Selbst in der letzten Ecke eines Nationalparks findet man noch Rollstuhltoiletten und jeder noch so kleine Aussichtspunkt ist rollstuhlgerecht gebaut mit befestigten Wegen und abgesenkten Bürgersteigen.

Aber nicht nur die Rollstuhlgängigkeit aller Orte haben uns so begeistert, sondern auch das Verhalten der Amerikaner gegenüber Behinderten. Da gibt es keine verstohlenen Blicke oder mitleidige Gesten, sondern ein ganz normales Miteinander. So kamen immer wieder begeisterte Kommentare wegen der leuchtenden Rollstuhl-Vorderräder.


4. Statistik

Dass unsere Reise sehr abwechlungsreich war, geht ja schon aus unseren Tagebüchern hervor und hier möchten wir noch einmal alle Superlative zusammenfassen.

gefahrene Strecke: 3.949 Meilen (6.355,3 Kilometer)

Anzahl der Unterkünfte: 18

besuchte Nationalparks: 9 (Yosemite NP, Death Valley NP, Zion NP, Bryce Canyon NP, Monument Valley NP, Canyonlands NP, Arches NP, Canyon de Chelly NP, Grand Canyon NP)

breitester Highway: 9 Spuren pro Richtung (Los Angeles)

heißeste Temperatur: 95 ° Fahrenheit ( 35 °C) in Palm Springs
kälteste Temperatur: 22 ° Fahrenheit (- 6 °C) im Bryce Canyon

höchste Erhebung: 3.300 m ü. M. (Tioga Pass, Yosemite NP)
tiefster Punkt: 86 m u. M. (Badwater, DeathValley NP)

Samstag, 7. November 2009

05.11.09 Los Angeles

Heute war Hängel-Tag. Wir hatten nichts anderes zu tun, als zu warten. Unser Zimmer mußte um zwölf Uhr geräumt werden und unser Flug ging um 22.30 Uhr. Wie sollten wir diese Zeit überbrücken?

Wir fingen mal damit an, dass wir möglichst lange ausschliefen und erst gegen 9.30 Uhr durch Baulärm geweckt wurden, dass wir dachten, die oberen Stockwerke unseres Hilton werden abgerissen.

Also schleppte Beate sich ins Bad und fing dann an, ihren Koffer aus- , um- und einzupacken. Danach war Mirjam dran, die es ihr gleicht tat. Wieder einmal schleppten wir unser gesamtes Gepäck in unseren mittlerweile liebgewonnenen Impala und checkten kurz nach 12.00 Uhr aus.
Das Hotel-Bistro kannten wir ja nun schon, ließen uns dort häuslich nieder und gönnten uns zwei trockene Sandwiches zum Frühstück. Wir trödelten so lange es ging und fuhren dann zum letzten Mal mit unserem schönen blauen Auto zu Alamo, um es wieder abzugeben.

Die Autoabgabestelle war ganz in der Nähe des Hotels und wir waren froh, dass wir auf dem kurzen Weg noch eine Tankstelle anfahren konnten. Von Spanien wissen wir nämlich noch genau, wie teuer es werden kann, wenn man den Wagen nicht vollgetankt zurückbringt.

Es ist faszinierend, wie schnell die Rückgabe abgewickelt wird. Man stellt sich in eine Reihe von abzugebenden Wagen, ein Mitarbeiter scannt ein Etikett im Autofenster ab und kurze Zeit später druckt das Gerät einen Bon aus, auf dem die gefahrenen Kilometer und weitere Angaben vermerkt sind. Wir schafften es gerade noch, unsere gesamten Klamotten aus dem Wagen zu reißen und die letzte Sprite-Dose unter dem Sitz hervorzukramen, da wurde das Auto auch schon weg gefahren.

Wir sammelten unsere Koffer zusammen und warteten auf den nächsten Shuttle-Bus zum Flughafen. Wie selbstverständlich ließ der Fahrer die Rampe für Beate herunter und ein netter junger Mann half uns bei den Koffern. Schnell erreichten wir den Flughafen LAX und man lud uns am International Terminal aus.

Etwas planlos aber flotten Schrittes eilten wir durch den Flughafen, bis man uns zum Informationsschalter schickte, wo man uns sagte, dass wir wahrscheinlich erst um 19.00 Uhr einchecken könnten. Es war aber erst 14.30 Uhr und wir wussten gar nicht, was wir mit unserem Gepäck und unserer Zeit machen sollten.
Wir streunten über den Flughafen und fanden eine zugige Ecke, an der man sein Laptop anschließen und kostenlos im Internet surfen konnte. Das nutzten wir natürlich gleich aus, schrieben unsere Berichte, bearbeiteten E-Mails und vervollständigten unseren Blog.



Zwischendurch lief Mirjam zur Abflugtafel und erfuhr dort, dass wir bereits um 17.30 Uhr einchecken konnten. Das war zehn Minuten später und so marschierten wir zum Schalter. Endlich mal wieder in einer “Line” stehen und durch ein Kuhgitter getrieben werden! Aber es lief richtig zügig und schon wenige Minuten später wurden unsere Koffer gewogen und mit dem entsprechenden Etikett versehen. Dann jedoch stellte man uns das Gepäck wieder auf den Gepäckwagen und wir schauten etwas ratlos. Man erklärte uns, dass wir selber zu einem speziellen Durchleuchtungsapparat gehen müssten und dort stellten wir uns natürlich wieder in eine “Line”. Als wir an der Reihe waren, nahm man uns unseren Wagen ab und erfuhren, dass die Koffer auf Drogen überprüft wurden.

Dann waren wir selbst soweit, dass wir durch die Sicherheitsschleuse mußten und Mirjam mußte ihre Schuhe ausziehen, das Laptop wurde extra durchleuchtet und Beate musste eine sehr intensive Personenkontrolle über sich ergehen lassen. Das heißt, dass sie von oben bis unten abgetastet wurde, das Sitzkissen wurde überprüft und die Rollstuhlräder, Handflächen und die Rollstuhlrohre wurden mit einem Spezialtuch auf Drogen überprüft. Dann waren wir endlich frei und konnten zum Gate.
Dort hieß es wieder stundenlang warten. Dieses Mal hätte das Internet etwas gekostet, also versuchten wir die Zeit mit Computerspielen tot zu schlagen. Irgendwann war es dann aber auch soweit und unser Flieger traf ein. Wir waren schon erstaunt, dass wir mit einer riesigen Boeing 747-400 nach Fidschi starten sollten. Aber dann fiel uns ein, dass eine kleinere Maschine den zehnstündigen Flug mit einer Tankfüllung gar nicht schaffen würde.

Beate bekam schon etwas Angst, denn immer mehr Rollstuhlfahrer wurden ans Gate geschoben. Bald stand sie in einer Schlange mit acht Rollis und fühlte sich wie beim Ausflug mit dem Altersheim.

Dann ging es mit dem Bording los und Beate durfte tatsächlich als erste in den Flieger, mußte allerdings auf einen absoluten Mini-Hocker, in dem sie durch die engen Gänge bis zu ihrem Platz in der 32. Reihe direkt vorne nach der Business-Class gebracht wurde. Da hatten wir richtig viel Platz für die Füße.

Allerdings wurde Mirjam etwas unruhig, denn sie fand keinen Fernseher und trotz intensiven Suchens war kein Fernsehgerät für die erste Reihe aufzufinden.

Ganz besonders war uns die Uniform der Flugbegleiter aufgefallen, die aus organgen, roten und blauen Oberteilen bestanden. Die Frauen hatten dazu lange Röcke an, die bis zum Boden gingen und deren Innenfutter wieder passend zum Oberteil gestaltet war. Dazu trug jede Flugbegleiterin eine Orchidee im Haar.

Wir machten es uns in unserer Reihe bequem, denn wir hatten vier Plätze für uns alleine. Dann fanden wir auch die Fernseher, die nämlich mit einem Hebel unter den Sitzen verstaut waren und unsere Klapptische fanden wir in den Armlehnen.Das Bordprogramm war sehr abwechlungsreich mit Videos, Musik und sogar Spielen und zu essen gab es auch reichlich.

Nach der Mahlzeit wurde die Kabine abgedunkelt und wir konnten einige Stunden schlafen.

Während wir schliefen, überflogen wir die Datumsgrenze und so hatte der 6. November bei uns nur sieben Stunden und wir haben ihn einfach verpennt.
 

Donnerstag, 5. November 2009

04.11.09 Palm Springs - Los Angeles

Heute gönnten wir uns ein ausgiebiges Frühstück im sonnigen Innenhof des Hotels. Es war eigentlich schon zu warm, um in der Sonne zu sitzen, aber nach den kalten Tagen in den Bergen, tat uns die Wärme richtig gut.

Da unsere Fahrtstrecke nach Los Angeles mit 200 Kilometern recht kurz war, vertrieben wir uns die Zeit im wunderschönen Palm Springs. Als wir die Hauptstrasse auf und ab liefen, sahen wir, dass es sicher mehr als tausend Palmen in diesem Ort geben musste. Wir liefen entlang an wunderschönen Häuschen und Geschäften und genossen das gute Wetter.







Auf dem Rückweg zu unserem Auto kamen wir an “Cornelia’s White House” vorbei. Cornelia Butler White wurde 1874 als eins von elf Kindern in New York geboren und reiste durch Europa. Anfang des 20. Jahrhunderts kam sie nach Palm Springs und ließ sich dort nieder. Ihr Haus ist das zweitälteste in Palm Springs und ihre Familie war die erste Familie nicht indianischer Herkunft in diesem Ort. Wir fanden dieses Haus sehr interessant und durften für 2 US$ Eintritt die Räume besichtigen.



Danach nahmen wir uns eine Stunde Zeit, das tolle Flair von Palm Springs zu genießen und ließen uns im “Ruby’s” nieder. Wir waren ganz begeistert von der Einrichtung dieses Lokals, das ganz im Stil der 50er Jahre eingerichtet war. Wir setzten uns aber in den Garten und genossen dort unsere Getränke.



Im Hinblick auf die folgende Autofahrt marschierten wir wie selbstverständlich gemeinsam Richtung “Restrooms” und erst dort wurde uns bewusst, dass es eigentlich gar nicht so selbstverständlich ist, dass Beate als Rollstuhlfahrerin in einem Restaurant zur Toilette gehen kann - zumindest in Deutschland. Noch auf dem Weg zum Auto sprachen wir darüber, wie selbstverständlich es für uns jetzt schon geworden ist, einfach überall hinzugehen, ohne Nachzudenken oder aufwendige Organisation und Nachfragen. Es IST hier einfach ALLES rollstuhlgerecht!

Dann machten wir uns gemütlich auf den Weg Richtung Los Angeles. Und wieder ging es durch öde Wüste, was man sich gar nicht vorstellen konnte, nach diesem wunderschönen Ort Palm Springs mit seinen grünen, gepflegten Vorgärten, den blühenden Blumen und vielen Palmen. Wir waren uns einig, dass Palm Springs bei weitem der schönste kleinere Ort ist, den wir in Amerika besucht haben.

Auf unserem Weg kamen wir uns plötzlich vor wie in einem Science Fiction Film, als wir plötzlich durch Tausende von Windrädern fuhren.



Langsam aber sicher näherten wir uns Los Angeles und das merkte man unter anderem daran, dass die Straßen breiter und voller wurden.

Mirjam wollte unbedingt einmal auf der ganz linken Spur fahren, die durch eine gelbe Markierung vom Rest der Autobahn abgetrennt wird und nur für Busse und PKW mit 2 und mehr Insassen zugelassen ist. Kaum waren wir auf dieser Spur, als diese plötzlich durch eine Mauer vom Rest der Fahrspuren getrennt wurde und wir langsam nervös wurden, ob wir unsere Abfahrt zur Interstate 405 erreichen würden. Aber es ging alles gut. Nach einer Weile wurden wir wieder auf die normale Autobahn geleitet und so fanden wir unsere Abfahrt zur Interstate 405 in Richtung Süden und standen dann auch gleich mal im Stau. So konnten wir die Skyline von Los Angeles Downtown ruhig genießen und schrittweise ging es weiter Richtung Flughafen und zu unserem Hotel “Hilton Airport”.

Wir parkten in der hoteleigenen Tiefgarage, räumten die nötigsten Dinge aus dem Kofferraum und checkten ein wie die Profis. Nach der Zimmerbesichtigung mussten wir uns daran machen, unseren Impala mal wirklich leer zu räumen und wir schleppten das Gepäck, unsere Fresstüten, die schmutzige Wäsche und die 50 Kleinigkeiten, die einzeln im Auto rumflogen in den 6. Stock.

Dort wurde erst einmal aussortiert und dann ging es mit dem Wäschesack in die Laundry in der 4. Etage. Man ist doch verwundert, wie ein so großes Hotel mit nur einer Waschmaschine und zwei Trocknern ausgestattet sein kann. Gott sei Dank waren alle Maschinen frei, aber leider versagte ein Trockner gleich mal seinen Dienst. Also saßen wir gefühlte sieben Stunden in dem ungemütlichen Waschraum und wuschen und trockneten unsere Schmutzwäsche. Wir möchten ja auf Fidschi wieder frisch und ordentlich erscheinen.

Danach reichte es nur noch für ein Abendessen im Hotel-Bistro, wo wir uns eine Pizza teilten.

Dienstag, 3. November 2009

03.11.09 Grand Canyon - Palm Springs

Diese Nacht war früh zu Ende. Um sieben Uhr klingelte der Wecker und nach unserem ausgiebigen Frühstück und dem Einladen der Koffer ging es los nach Palm Springs.

So langweilig hätten wir uns die Fahrt nicht vorgestellt. 660 Kilometer nur Wüste und trostlose Landschaft, dazu endlos gerade Straßen und kaum Autos. Aus unserem schlauen Büchlein hatten wir erfahren, dass wir uns durch die Mojave-Wüste bewegten und dass in früheren Zeiten die Reiter in diese Wüste gezogen sind und irgendwann einfach aufgegeben haben wegen Wassermangels und Hitze.

Beinahe wäre es uns auch so gegangen aber dann waren wir schlagartig wieder hellwach: Kurz nach der Grenze zu Kalifornien wurden wir von der Autobahn herunter geleitet zu einer speziellen “Inspection Station”. Erwartungsvoll fuhren wir an eines der Kontrollhäuschen. Der freundliche Beamte fragte ungläubig, ob wir wirklich aus Illinois kämen, denn unser Nummernschild des Mietwagens ist aus diesem Staat. Als er jedoch den Stapel von Infomaterial und Landkarten auf Beates Schoß sah, fragte er nur noch kurz “Tourists?”. Wir nickten und wurden sofort weitergewunken. Na, da ist der Kelch noch mal an uns vorüber gegangen.

Kurz darauf wurden wir über eine holprige Straße geführt, die mit Schlaglöchern übersät war und wir wollten uns gerade darüber aufregen, als wir feststellten, dass wir uns auf einem Teilstück der berühmten “Route 66" befanden. So toll das auch sein mag, wir waren auf jeden Fall froh, als wir wieder eine schöne, glatte und ausgebaute Interstate erreichten.

Außerdem hatten wir ein bisschen Angst wegen unseres Luftdrucks in den Reifen. Wir hatten ja in Moab bei Minustemperaturen unsere Reifen aufpumpen lassen und der Tankwart hatte uns seinerzeit darauf aufmerksam gemacht, dass wir in wärmeren Gebieten den Luftdruck wieder reduzieren müssten.

Die Temperaturen stiegen langsam an die 30 °C Grenze und wir fuhren die einzige Tankstelle weit und breit an. Diese lag an einer Kreuzung mitten im Nirgendwo mit rundrum Nix. Mirjam ging in den Verkaufsraum um Hilfe zu holen und kam bald darauf mit zwei urigen Typen zurück, die sich als Helfer anboten.



Mit einem mehr oder weniger fachmännischen Blick auf unsere Reifen, befanden sie den Luftdruck für gut und verabschiedeten sich. Noch eine Weile später fragten wir uns, wie sie mit einem Blick, ohne technische Hilfsmittel erkennen konnten, dass der Luftdruck ok wäre, obwohl unser Bordcomputer etwas anderes sagte.

Nichtsdestotrotz gaben wir wieder Gas (soweit man das in Amerika darf) und schlichen langsam aber sicher über die Interstate 10 auf Palm Springs zu. Selbstverständlich war unser Tempomat immer genau auf die angegebene Höchstgeschwindigkeit eingestellt und so rutschte unser Herz auch nur ein bisschen in die Hose, als wir einige Meilen hinter einer Highway-Patrol herfuhren. Diese hatte aber wohl anderes im Sinn und wendete auf die andere Straßenseite, denn dort stand ein PKW mit Motorschaden.

Irgendwann sahen wir “ein Licht am Ende des Tunnels” in Form von Palmen am Horizont und bald darauf konnten wir den Highway verlassen und fuhren durch die super gepflegten Anlagen mit Hunderten von Palmen in Palm Springs. Als wir schon dachten, wir würden in den “Mount Sun Jacinto” hineinfahren, bogen wir auf der letzten Straße davor rechts ab und schon standen wir vor unserem “Comfort Inn Palm Springs”.

Beate war schon ganz gespannt, welche Duscheinrichtung sie dieses Mal erwarten würde, denn in einem Hotel der Comfort-Inn-Kette hatten wir auf unserer Rundreise noch nie übernachtet.

Beim Betreten des Zimmers mussten wir feststellen, dass sich die Hotelzimmer der verschiedenen amerikanischen Hotelketten eigentlich in nichts, aber auch in gar nichts, unterscheiden. Auch hier fanden wir wieder das Kingsize-Bett, die Kaffee-Maschine, das Bügelbrett mit Bügeleisen, den Fernseher und die befahrbare Dusche (dieses Mal mit gepolstertem Klappsitz) vor.




Unsere drei Übernachtungstaschen waren schnell versorgt, wir schnappten uns ein paar Kekse und Getränke und machten uns auf die Suche nach dem Hotel-Pool. Dort ließen wir uns erst einmal nieder und genossen bei 35 °C die warmen Sonnenstrahlen.



Dann befanden wir, dass es Zeit sei, uns nach 6 Stunden Autofahrt ein bisschen frisch zu machen, um dann zum Abendessen aufzubrechen. Zufällig warf Beate einen Blick auf den Wecker am Bett und konnte es kaum glauben: Statt 18.15 Uhr war es hier erst 17.15 Uhr und bereits dunkel. Zur Sicherheit stellten wir noch einmal den Fernseher an, der uns aber auch kein anderes Ergebnis lieferte. Somit stellten wir innerhalb von vier Tagen vier Mal die Uhr um . Jetzt hoffen wir, dass wir bis zu unserem Abflug übermorgen Nacht die gleiche Uhrzeit beibehalten dürfen und unseren Flieger pünktlich erreichen.
Um die mal wieder gewonnene Stunde zu überbrücken, legten wir uns noch etwas aufs Ohr und machten uns dann auf die Suche nach einem Lokal fürs Abendessen. Wie wir so sind, marschierten wir aus dem Hotel, einfach mal die Straße lang und wurden tatsächlich fündig. Nachdem wir am Tag zuvor auf dem Weg vom Hotelrestaurant bis zum Zimmer fast erfroren wären, war es hier in Palm Springs so warm, dass wir in einem Seafood-Restaurant sogar draußen sitzen konnten.
Mirjam organisierte zwei große Getränke und wir bestellten Salat mit Shrimps, der in einer großen Plastikschüssel serviert wurde.
 

 
Im hellen Mondlicht genossen wir unser üppiges Mahl und obwohl wir eigentlich schon satt waren, gönnten wir uns zum Nachtisch einen typisch amerikanischen Käsekuchen “New York Style”, in Erinnerung an unsere erste Amerika-Etappe.

Montag, 2. November 2009

02.11.09 Grand Canyon

Ungewöhnlicherweise hatten wir es auch heute wieder geschafft, einigermaßen pünktlich beim Frühstück zu erscheinen. Danach führte uns unser Weg wieder in den Grand Canyon. Dieses Mal wollten wir das obere Stück des South Rim erwandern und außerdem unseren Spezialausweis mit dem Geheimcode ausprobieren.

Gegen 10.30 Uhr trafen wir im Park ein, fanden fast sofort den Weg zum Grand Canyon Village, von wo aus eine Straße zum “Hermit Rest” führt. Dieser Weg ist für Privat-PKW durch eine Schranke gesperrt und darf nur vom Shuttle-Bus oder mit spezieller Ausnahmegenehmigung befahren werden. Wir hatten diese Genehmigung selbstverständlich.

Mit mittlerweile gut antrainierter Souveränität fuhren wir auf die Schranke zu, Beate diktierte den Geheimcode und Mirjam tippte in ein. Die Schranke öffnete sich und unter den staunenden Blicken der anderen Besucher fuhren wir Richtung “Hermits Rest”.

Auf dem Weg dahin steuerten wir den “Maricopa “, den “Hopi” und den “Mohave Point” an. Zum ersten Mal sahen wir eine Riesen-Gruppe Touristen, die auf Muhlis durch die Canyon-Schlucht ritten. Das ist ein Abenteuer, wie es schon Anfang des 20. Jahrunderts erlebt hat. 



Wie schon in den Tagen zuvor, so faszinierte uns auch heute wieder die Wandelbarkeit des Grand Canyon, dessen Licht- und Schattenspiele und die Farben der Berghänge, die sich zu jeder Tageszeit anders zeigen.

Dann fuhren wir mit dem Auto bis zum Ende der Straße, stiegen dort aus und machten uns zu Fuß auf den Weg zum “Pima Point”. Leider hatten wir die falsche Richtung gewählt, denn der Weg führte stetig bergauf. Das brachte uns dazu, einige Pausen einzulegen und so genossen wir die Sonne und die warmen Temperaturen an verschiedenen Rastplätzen.





Irgendwann erreichten wir dann doch mal unser Ziel, stiegen in den nächste Shuttle-Bus zurück zu “Hermits Rest” und verweilten dort noch eine Weile. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Amerika gingen wir in einen Gift-Shop (Souvenir-Geschäft) und zum ersten Mal trafen wir hier auch auf einen Laden, der eine Stufe zum Vorplatz und eine Stufe in den Laden hatte. Nirgendwo konnten wir eine Rampe entdecken. Das ist uns noch nie passiert!

Dann sahen wir am Haus ein Schild, dass es im Laden eine portable Rampe gäbe. Da wir aber das Bordsteinüberwinden von Deutschland gewöhnt sind, stürmten wir den Laden auch ohne Rampe. Wir hatten die Tür noch nicht hinter uns geschlossen, als schon der Ladenbesitzer auf uns zustürmte und ganz besorgt war, dass wir uns ohne seine Rampe in den Laden gequält hatten. Es folgte ein Vortrag über dieses nützliche Utensil und die Versicherung, dass es ihm eine große Freude wäre, Beate eigenhändig beim Verlassen des Ladens zu helfen. So beobachtete er uns die ganze Zeit mit Argusaugen, damit er uns ja nicht verpassen würde.

Und tatsächlich, kaum bewegten wir uns Richtung Tür, sprang er hinter dem Verkaufstresen hervor mit einer klappbaren Metallrampe unter dem Arm. Die Rampe wurde zuerst vor dem Ladeneingang verlegt und dann nochmal an die Stufe beim Vorplatz angesetzt. Der Ladenbesitzer verabschiedete uns äußerst freundlich, obwohl wir natürlich, wie immer, nichts gekauft hatten.

Dann befanden wir, dass wir nun wirklich genug Grand Canyon geschaut hatten und machten uns auf den Rückweg in unser Hotel. Mirjam überredete Beate zu einem Mittagschläfchen, obwohl sie schon auf einer Bank im Park eine Runde geschnarcht hatte. Beate war der Meinung, ein wenig auszuruhen könne nicht schaden, weil die nächste Nacht kurz werden würde, denn morgen liegt die längste Fahrtstrecke unseres gesamten Amerikaaufenthalts mit 660 Kilometern bis Palm Springs vor uns.

Trotzdem rafften wir uns noch auf und machten uns einen schönen Abend in unserem netten Hotelrestaurant. Schon am ersten Abend hatten wir das große Buffet bewundert und uns vorgenommen, zum Abschluss unserer Grand Canyon Expedition ein gutes Abendessen zu genießen.

Bald schon drängelte Mirjam, dass wir zurück ins Zimmer müssten, denn die Koffer mußten für eine zügige Abreise am nächsten Morgen noch gepackt werden.

Jetzt geht unser Amerika-Aufenthalt bald zu Ende und aus den Nachrichten mußten wir erfahren, dass wir das Glück hatten, einigen “Katastrophen” davon gefahren zu sein:
In San Francisco war nach unserer Abreise ein Kabel der “Bay Bridge” gerissen und so wurde die Brücke mehrere Tage für den Verkehr gesperrt. Sie ist die Hauptverbindungsader nach Oakland und wir hatten sie bei unserer Abreise aus San Francisco natürlich auch benutzt.

In Las Vegas wären wir auch nicht so ganz trockenen Fußes den “Strip” hinauf- und hinuntergelangt, denn einige Tage nach unserem Besuch dort ist eine Hauptwasserleitung direkt an der Hauptstrasse gebrochen und hat zu einer Überschwemmung geführt.

Nun hoffen wir mal, dass uns solche Ereignisse weiterhin erspart bleiben und uns das Glück erhalten bleibt.

Sonntag, 1. November 2009

01.11.09 Grand Canyon

    
Was für ein Tag!

Als wir heute morgen gut gelaunt zum Frühstück gingen (wir hatten nämlich Glück und uns wurde eine Stunde geschenkt, endlich wissen wir wieder die Uhrzeit) wussten wir noch nicht, was noch auf uns zukommen würde. Nach dem üblichen kontinentalen Frühstück, ausnahmsweise und zum ersten Mal seit einem Monat mit knusprigen Brötchen, gingen wir zur Planung der Tagesgestaltung zurück ins Zimmer.

Wir hatten uns vorgenommen, entweder den berühmten Skywalk zu besuchen oder alternativ einen Hubschrauberflug über den Grand Canyon zu machen. Aus unseren Unterlagen ging hervor, dass der Skywalk irgendwo im Nirgendwo über 400 Kilometer weit weg ist, der nächste Flugplatz jedoch weniger als eine Meile von unserem Hotel entfernt liegt. Damit war die Entscheidung gefallen.

Beate stürzte sich ans Telefon und bestellte direkt für diesen Morgen einen Rundflug im Helikopter. Mirjams Gesicht wurde lang und länger und je mehr wir uns mit dem Auto dem Flugplatz näherten, umso zittriger wurden ihre Hände. Sie hielt tapfer durch und wir buchten einen halbstündigen Flug über den nördlichen Teil des Canyons.

Nach Schauen des langweiligen Sicherheitsfilms und einer Wartezeit von anderthalb Stunden konnten wir endlich unsere Sicherheitswesten anlegen und uns Richtung Hubschrauber bewegen. Beate schaute schon etwas skeptisch, wie sie über die Kufen in diesen kleinen Hüpfer passen sollte.



Am Ende ging alles gut und als die Maschine mit fünf Passagieren gefüllt war, ging es los zum Canyon.



Jegliche Nervosität fiel von uns ab und wir waren einfach nur noch fasziniert von diesem gigantischen Weltwunder. Manch einem soll es für lange Zeit die Sprache verschlagen haben. Dies war ein unbeschreibliches Erlebnis, das wir nie vergessen werden und die Eindrücke waren so überwältigend, dass man sie mit Worten und Bildern nicht beschreiben kann.





Wer nicht schon von der gewaltigen Natur ergriffen war, der bekam den Rest über den Kopfhörer mit der Musik von Louis Armstrongs “What a wonderful world”.



Man kann diesen Flug wirklich als einen der absoluten Höhepunkte unserer bisherigen Reise bezeichnen.



Noch immer ganz ergriffen von diesem wahnsinnigen Erlebnis, fuhren wir mit dem Auto in den Nationalpark. Um den Park auch noch von einer anderen Seite kennen zu lernen, machten wir uns dieses Mal zu Fuß auf den Weg am Canyon-Rand entlang vom “Mather Point” Richtung “Pipe Creek Vista”. Dann kehrten wir um und liefen den “Rim Trail” entlang bis zur "Bright Angel Lodge” im “Grand Canyon Village”.



Sehr ungewöhnlich für uns, dieser Sonntagsspaziergang! Liebe Eltern, erinnert Ihr Euch noch, wie unbeliebt diese Art der Freizeitgestaltung früher für uns war - und jetzt latschen wir freiwillig kilometerweit durch die Landschaft.



Immer wieder mussten wir anhalten, um die tollen Ausblicke zu genießen.



Trotzdem waren wir am Ende unseres fast 5 Kilometer langen Marsches ein wenig müde und ziemlich hungrig. So kehrten wir in die Lodge ein und gönnten uns zwei Sandwiches.

Schon vorher hatten wir geklärt, dass wir den Rückweg zum Parkplatz mit dem kostenlosen Shuttle-Bus zurücklegen konnten und kurze Zeit später waren wir schon im Bus und auf dem Weg zu unserem Auto.
Auf dem letzten Stück der Strecke waren wir die einzigen Fahrgäste und plötzlich machte uns der Fahrer darauf aufmerksam, nach links zu schauen und was sahen wir? Ein echter Elch kreuzte unseren Weg und verschwand in Seelenruhe im Wald. Der Busfahrer hielt extra an, damit wir dieses Schauspiel beobachten konnten. Leider hatten wir unsere Kamera nicht schnell genug im Anschlag.

Am Auto angekommen, kamen wir gerade richtig zum berühmten “Sunset” im Grand Canyon. Und weil wir immer so viel Glück haben, ging nicht nur die Sonne unter, sondern direkt über dem Canyon stand der Vollmond.



Wir knipsten uns die Finger wund (insgesamt 189 Fotos heute!) und wurden dann noch eingeladen, an der speziellen “Moonlight-Ranger-Führung” teilzunehmen.

Für heute hatten wir allerdings schon Abenteuer genug und so machten wir uns auf den Heimweg ins Hotel, nicht ohne vorher noch den Supermarkt leer zu kaufen. Mit unseren neuen Vorräten konnten wir uns einen gemütlichen Abend im Zimmer machen.

Samstag, 31. Oktober 2009

31.10.09 Canyon de Chelly - Grand Canyon


Heute konnten wir nicht ganz so lange ausschlafen, wie wir gerne wollten, denn es lag ein Weg von über 400 Kilometern von Chinle bis zum Grand Canyon vor uns.

Wir nahmen den kürzesten Weg über die Indian-Route 59 und kamen später in Kayenta an unserem Hotel vorbei, indem wir vor einigen Tagen übernachtet hatten. Der Himmel war nach wie vor stahlblau und keine einzige Wolke ließ sich blicken. Richtung Grand Canyon wurde es auch langsam wärmer.

Um den “South Rim” im Nationalpark zu erreichen, fuhren wir durch den Osteingang. Die Dame an der Kasse begrüßte uns freundlich und übergab uns Infomaterial, das zum Teil sogar in deutscher Sprache war. Aufgrund des Rollstuhls bekamen wir eine Sondergenehmigung, mit der wir im Grand Canyon auch Routen fahren dürfen, die normalerweise mit dem Privat-PKW nicht zugänglich sind.

Auf dem Weg zu unserem Hotel kamen wir am” Desert View Point”, am “Lipan” und “Moran” vorbei. Außerdem besuchten wir die Tusayan-Ruinen, die ein prähistorisches “Pueblo” (indianische Siedlung) sind. Auch hier machten wir wieder Bekanntschaft mit den Bauten der Anasazi, was soviel bedeutet wie “die aus der Vorzeit stammenden”.



Am “Grand View” legten wir einen größeren Halt ein und waren erstaunt über die vielen Autos auf dem Parkplatz. Auf der Aussichtsplattform wimmelte es nur so von Menschen und wir waren ein bisschen enttäuscht von diesem Andrang. Bisher hatten wir in allen Parks das große Glück gehabt, nur wenige Menschen zu treffen und die Parks in Ruhe genießen zu können. Jetzt konnten wir uns zum ersten Mal vorstellen, wie es hier in der Hochsaison aussehen muss!

Nach dem “Grand View” ging es zum “Yaki Point”, der nur mit Shuttle Bussen zu erreichen ist. Wir mit unserer Sondergenehmigung waren die einzigen, die dort mit ihrem PKW parkten. Endlich konnten wir das Panorama und vor allem die absolute Stille dieses atemberaubenden Canyons genießen. Es ist schon ein besonderes Erlebnis, direkt über dem Canyon zu stehen und keinen einzigen Laut zu hören: weder Vogelgezwitscher noch das Rauschen der Bäume.





Da wir heute morgen nicht gefrühstückt und auch sonst keine Pause eingelegt hatten, beschlossen wir, direkt zu unserem Hotel “Canyon Plaza Resort” in Tusayan zu fahren. Dort angekommen, stürmten wir gleich mal zur Rezeption, füllten die üblichen Check-in Formulare aus und machten uns auf den Weg zur Zimmerbesichtigung.

Leider gab das Zimmer nicht her, was uns versprochen wurde. Wir hatten zwar zwei große Queen-Size-Betten, aber das Bad war extrem eng und außerdem mit einer Badewanne ausgestattet.

Nach kurzer Lagebesprechung nahmen wir unsere Zimmerkarten und kurz darauf standen wir wieder an der Rezeption, denn in unserem Hotel-Voucher war eine befahrbare Dusche bestätigt worden. Die nette Rezeptionistin hatte wohl schon damit gerechnet und bereits ein anderes Zimmer für uns ausgesucht. Sie brachte jedoch ihre Bedenken an, da das Schlafzimmer nur ein King-Size-Bett von 2 x 2 Metern Größe hatte. Sie bot Mirjam jedoch an, sie könne im Wohnzimmer auf der Ausklappcouch schlafen. Daraufhin starteten wir eine erneute Zimmerbesichtigung, um eine adäquate Übernachtungsmöglichkeit zu erhalten.

Auf den ersten Blick waren wir mit unseren neuen Räumlichkeiten recht zufrieden. Wieder einmal hatten wir eine Suite ergattert mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küchenzeile, kleinem Flur und großem Badezimmer mit befahrbarer Dusche. Allerdings war diese Dusche mal wieder mit einem klapperigen Melkschemel versehen und wir machten uns Gedanken, wie wir an einen Garten-Plastikstuhl kommen könnten. Der Außenpool vor unserer Haustüre war geschlossen und eine Terrasse mit entsprechender Möblierung leider nicht vorhanden.

Also wendeten wir uns wieder an die Rezeption und bald darauf klopfte es an der Tür und die nette Rezeptionistin stand mit einem zweiten Melkschemel vor unserer Suite. Da aber zwei Melkschemel auch nicht besser sind als einer, baten wir um Umtausch gegen einen gemütlichen Gartenstuhl mit Arm- und Rückenlehne. Die arme Frau durchsuchte das ganze Areal und hier handelte es sich um ein wirklich großes Hotel mit weiten Wegen, doch einige Zeit später brachte sie das gewünschte Utensil.

Nunmehr bestens ausgestattet, konnten wir mit dem Ausräumen des Autos beginnen und leider musste Mirjam jetzt auf die Wohnzimmercouch verzichten, da wir unser gesamtes Gepäck auf Sofa, Sessel und Wohnzimmertisch verteilt hatten.



Zum Auspacken hatten wir erst einmal keine Lust und machten einen kleinen Rundgang durchs Hotel, besichtigten den Wintergarten, den Spa-Bereich und den offenen Kamin in der Lobby.



Bis zum Abendessen mussten wir uns noch ein bisschen gedulden, denn hier in Arizona haben wir mal wieder eine andere Zeit und müssen zum viertausenddreihundersiebenundsechzigsten Mal (gefühlt) die Uhr umstellen. Das gleiche wahrscheinlich morgen wieder, da ab dem 1. November auch Arizona die Winterzeit beginnt. Leider sind wir uns nicht sicher und werden somit einfach in den Tag hinein leben. Wegen der Zeitumstellung sind wir langsam etwas verzweifelt, denn auch im Fernsehen gibt es natürlich unterschiedliche Uhrzeiten, je nach Staat,und zusätzlich sind die Zeiten in den Indianer Reservaten nochmal anders. Wer soll da noch durchblicken?

Also geduldeten wir uns noch eine Stunde länger und marschierten dann ins hoteleigene Restaurant, in das gerade eine Busladung Japaner eingebrochen war.

Zum ersten Mal hat uns in den USA ein Restaurant so richtig gut gefallen. Hier kamen viele Dinge zusammen, die uns in anderen Lokalen einfach fehlten: die Temperatur war angenehm warm, das Ambiente stimmte, wir aßen von Porzellan-Tellern auf Stoffsets, hatten Stoffservietten und durften ausnahmsweise unsere Getränke aus Gläsern und nicht aus Plastikbechern zu uns nehmen. Und das Beste zum Schluss: sogar das Essen hat super geschmeckt.
Mirjam aß ein typisch amerikanisches Wiener Schnitzel mit Pommes (Original-Ton Mirjam: “bei Pommes kann man nichts falsch machen”) und Beate wagte sich an eine regionale Spezialität, den Navajo-Taco Mittlerweile waren wir auch so ausgehungert, dass wir die typischen, großen Portionen fast bewältigten.



Zwischendurch hatten wir noch viel Spass, denn es war Halloween und wir sahen einige verkleidete Kinder. Und auch Erwachsene machten vor den Gruselmasken nicht halt.



Am Nachbartisch saßen einige Japaner und wir waren ganz furchtbar neugierig, wie lange sie für die USA-Rundreise eingeplant hatten. Beate wollte es unbedingt wissen uns sprach sie kurzerhand darauf an. Es entwickelte sich ein nettes Gespräch, in dem wir erfuhren, dass sie die Rundreise Los Angeles -Monument Valley - Grand Canyon - Las Vegas - Los Angeles mit nur vier Übernachtungen durchzogen. Und dann erzählten sie uns noch von ihren Plänen für den nächsten Tag. Sie wollten zum Sonnenaufgang um 5.30 Uhr in den Grand Canyon. Für uns undenkbar! Zum einen würden wir nie unsere Hintern so früh aus dem Bett bewegen und zum anderen wissen wir (wie oben bereits erwähnt) nicht einmal die richtige Uhrzeit!

Gut gesättigt verzogen wir uns auf unser Zimmer, wo es mittlerweile kuschelig warm geworden war dank der auf höchster Stufe heizenden Klimaanlagen.

Wir freuen uns schon auf die nächsten zwei Tage, wenn wir in aller Ruhe den Grand Canyon besichtigen können. Es soll sonnig bleiben und noch etwas wärmer werden. Also genau das richtige Wetter für Ausflüge in die Natur.