Dienstag, 20. Oktober 2009

20.10.09 Mammoth Lakes - Death Valley

Beim Aufwachen überraschten uns ein strahlend blauer Himmel, schneebedeckte Berge und klirrende Kälte. Trotzdem quälten wir uns aus dem Bett, improvisierten ein Frühstück im Zimmer und versuchten, unsere Tüten und Taschen wieder ins Auto zu bringen. Dies war eine rutschige und eiskalte Angelegenheit. Die Autoscheiben waren vereist und der Wagen verschneit. Darauf waren wir nicht wirklich eingestellt. Gott sei Dank hatten wir zusätzlich zu unseren T-Shirts noch Strickjacken und Allwetterjacken im Zimmer. Die waren auch wirklich nötig. Trotzdem war es einfach toll, den Morgen in frischer Bergluft auf fast 3.000 Meter Höhe zu beginnen.





Bald darauf rollten wir jedoch schon abwärts, um Richtung Bishop und Death Valley zu fahren. Im nächsten größeren Ort, Bishop, tankten wir noch günstig, deckten uns mit der nötigsten Verpflegung ein und machten uns auf den Weg ins “Tote Tal”.

Kurz vor der Einfahrt in den Death Valley Nationalpark machten wir eine Pause in Lone Pine, einer einsamen Westernstadt. Einstimmig kamen wir überein, dass dort der Hund begraben sei. Da wussten wir noch nicht, welche Landschaften noch auf uns zukommen würden.



Hunderte Kilometer ging es durch öde Landschaften mit kaum Vegetation. Zuerst war die Straße kerzengerade und das Fahren direkt langweilig. Später ging die Strecke dann in Serpentinen über und wir schlängelten uns bergab durch Hügel, die in den verschiedensten Farben leuchteten. Fasziniert beobachteten wir unser Autothermometer, das mit jedem weiteren Kilometer höher stieg. So waren wir bei - 5 °C losgefahren und erreichten bald die 30°C-Grenze. Das gehört sich auch so für eine Wüste. Das Death Valley ist eine der trockensten und heißesten Gegenden der Welt.



Unser schlaues Büchlein hatte empfohlen, genügend Getränke und Kühlwasser für den Motor mitzunehmen. Außerdem sollte der Tank gefüllt sein, denn eine Tankstelle würde es unterwegs nicht geben. Dazu gab es noch Ratschläge, die Klimaanlage auszuschalten, damit der Motor nicht überhitze.

Im Sommer können im Death Valley durchaus Temperaturen von über 50 °C entstehen. 1913 wurde hier die höchste Temperatur mit 56,7 °C gemessen.

An unseren Ohren merkten wir, dass auch die Höhenmeter immer weniger wurden. So fuhren wir an diesem Tag von fast 3.000 Meter über dem Meeresspiegel auf 60 Meter unter dem Meeresspiegel.



Nicht nur für uns waren diese Temperatur,-und Höhenunterschiede eine Strapaze, sondern auch unsere Shampoo-Flaschen litten. Waren sie in den Bergen noch aufgebläht, so waren sie bei unserer Ankunft im Hotel total zusammengedrückt. Ganz besonders machte sich dieses Phänomen auch bei Beates Sitzkissen bemerkbar, dass sich in Mammoth Lakes nach außen wölbte, so dass wir dringend Luft raus lassen mussten. Dafür hat Beate sich die Lunge überanstrengt, um das Kissen in Furnace Creek wieder aufzublasen.

Auf dem Weg zu unserer Übernachtungs-Ranch machten wir noch einen Abstecher zu Scotty’s Castle. Auf dem Weg dorthin war die Straße recht wellig und Mirjam machte sich einen Spaß daraus, vor den Hügeln kräftig Gas zu geben, damit Beate mal das Gefühl hatte auf einer Achterbahn zu sitzen. Leider bekam ihr diese Kirmes-Fahrerei gar nicht so gut und bevor noch ein Unglück passieren würde, bemühte Mirjam sich etwas gezügelter zu fahren.

Nach langen Kilometern - wir dachten schon, wir kämen nie an - erreichten wir das Schlösschen. Der Bau dieses Gebäudes wurde 1922 von dem amerikanischen Multimillionär Albert Mussey Johnson begonnen. Walter Scott, ein altes Schlitzohr, hatte den Millionär davon überzeugt, mehrere tausend Dollar in eine nicht vorhandene Goldmine im Death Valley zu investieren. Als dieser die Mine eines Tages besuchen wollte, bemerkte er den Betrug. Er war jedoch so begeistert von dem warmen Klima des Death Valley, dass er sich entschloss, ein großes Grundstück zu erwerben und dort eine Villa zu errichten. Trotz des Betruges waren die Männer zeitlebens Freunde und Johnson, der in der Weltwirtschaftskrise Pleite ging, räumte Walter Scott ein lebenslanges Wohnrecht in seinem Haus ein. Also wir können die Begeisterung von Johnson für die Landschaft in diesem Gebiet so gar nicht verstehen. Schon mit dem Auto ist die Strecke eine Strapaze. Wie muss das erst Anfang des 20. Jahrhunderts gewesen sein, als alle Lebensmittel und sonstige Dinge des täglichen Gebrauchs auf Mauleseln dorthin transportiert wurden.





Trotz allem war es ein netter Ausflug in eine tolle Oase mitten in öder Wüstenlandschaft. Bald machten wir uns auf, zurück auf unsere Wegstrecke Richtung Furnace Creek Ranch. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir unser Übernachtungslager, checkten ein und fuhren zu unserem kleinen Reihenbungalow Nr. 403. Wir sahen uns kurz das Zimmer an, statteten das Bad mal wieder mit einem Gartenstuhl aus, den wir von unserer Terrasse holten und machten einen Rundgang über das große Gelände der Ranch.



Die Furnace Creek Ranch ist mit Swimming-Pool, Tennisplätzen, Golfplatz, div. Saloons, Restaurants und einem kleinen Freilichtmuseum ausgestattet. Wir konnten uns allerdings nur noch zu einer Pizza To-Go aufraffen und werden unsere Umgebung am nächsten Tag noch einmal gründlich besichtigen.

Mit unserer Riesenpizza ließen wir uns auf unserer Terrasse nieder und genossen unser Mahl aus Pappschachtel und Getränkedosen bei untergehender Sonne.
 

Montag, 19. Oktober 2009

19.10.09 Yosemite - Mammoth Lakes

Wieder einmal mussten wir früh aus dem Bett, denn es war klar, dass einige Kilometer vor uns lagen und die Strecke nicht ganz einfach sein würde. Also machten wir, dass wir fertig wurden und begaben uns Richtung Frühstückssaal. Obwohl man uns empfohlen hatte, dort mit dem Auto hinzufahren, war es unser sportlicher Ehrgeiz, die 20 Meter zu Fuß zu bewältigen.

Wider Erwarten schafften wir die Strecke mühelos und konnten uns danach bei dem typisch kontinentalen Frühstück stärken: labberiges Toastbrot, dünne Marmelade, künstlicher Orangensaft und dünner Kaffee. Das einzige was uns noch aufrecht erhielt, war die selbstgemachte Waffel.

Nach einer halben Stunde verließen wir diese gastliche Stätte und machten uns auf den Weg wieder in den Yosemite Nationalpark. Wir hatten noch die Eintrittskarten vom Vortag und brauchten somit nicht noch einmal bezahlen. Am “El Portal” begrüßte uns der freundliche Ranger mit “Welcome back!” Wir fuhren nur kurze Zeit auf der altbekannten Strecke und bogen dann ab auf die 120, den Tioga Pass hinauf.

Anfangs fuhren wir durch riesige verbrannte Waldgebiete, die wirklich traurig aussahen.



Dann wurde es mit jedem Höhenmeter grüner und waldiger. Einige Zeit durchquerten wir riesige Waldgebiete, die uns mit ihren tollen Herbstfarben begeisterten. Fast hätten wir im Vorbeifahren die Wasserfälle übersehen auch hier gab es wieder tolle Aussichten und an dem Druck auf den Ohren wurde uns klar, dass wir einige Höhenmeter hinter uns gebracht hatten. Am höchsten Punkt erreichten wir fast 3.300 Meter.



Hier erwarteten uns schneebedeckte Berggipfel, dunkelblaue Bergseen, riesige Felsen und die für diese Höhe typische Vegetation. Bei strahlend blauem Himmel genossen wir die Sierra Nevada. Nach drei Stunden Fahrt durch die unglaubliche Natur ging es langsam wieder bergab.







Es zogen einige Wolken auf und zu Mirjams Freude fielen sogar ein paar Schneeflocken. Wir waren immer wieder begeistert, welche neue Aussichten sich nach jeder Kurve boten.



Als wir dann meinten, jetzt könnte nichts Besseres mehr kommen, fuhren wir über einen Hügel und erblickten den blauesten See, den wir je gesehen hatten. Vor uns lag der “Mono Lake”, der in allen Blau- und Türkistönen schimmerte.


Am Abend vorher hatten wir uns aus unserem schlauen Heftchen bereits über diesen See informiert. Deshalb wollten wir ihn uns unbedingt näher ansehen.

Das Aufeinandertreffen von Frischwasserquellen unter dem See mit der Vulkanasche am Seeboden und dem stark salzhaltigen Seewasser bildet Türme, die “Tufa” genannt werden. Tufa sind kalksteinhaltige poröse Ablagerungen, die sich zu skurrilen, leicht verwitterten Stalakmiten formen.

Um Näheres zu erfahren über dieses Phänomen, besuchten wir das Visitor Center in der Nähe von Lee Vining. Während wir in aller Ruhe den Ausblick auf den See genossen, bemerkten wir plötzlich, wie eine dunkle Wetterfront vom Tioga Pass her auf den See zukam. Wir beschlossen möglichst schnell unser Auto wieder aufzusuchen und zum Südende des Sees zu fahren, bevor uns dieses Schlechtwetter einholen würde. Gesagt getan, schmiss Mirjam ein paar Kohlen aufs Feuer und wir schossen Richtung Südseite des Mono Sees.



Kaum hatten wir die Hauptstrasse erreicht, sahen wir einen Ranger, der bei der Zufahrt zum Tioga Pass das große Schild “Closed” anbrachte. Das bedeutete, dass 20 Minuten nach unserer Ausfahrt der Pass gesperrt wurde. Meine Güte hatten wir ein Glück! Und mit diesem Glück ging es auch fast so weiter.

Wir fuhren der Schlechtwetterfront davon zu den Tufas. Jetzt lag es nur noch an Mirjams Können bei Fotografieren die richtige Richtung zu wählen, denn die eine Seite des Sees war bereits in graue Wolken getaucht, während die andere Seite unter strahlend blauem Himmel leuchtete.





Wir schafften es tatsächlich, trockenen Fußes wieder weiterzukommen und beschlossen angesichts des Wetters direkt nach Mammoth Lake zu fahren, um dort unsere Einkäufe zu tätigen. Für den Abend und den nächsten Morgen musste vorgesorgt werden, weil das Hotel weit oberhalb des Ortes lag und wir von jeglicher Zivilisation abgeschnitten sein würden.

Leider erwischte uns das schlechte Wetter doch noch und als wir in den Supermarkt wollten, schlug uns ein Schneesturm entgegen. Wir kämpften uns bis zur Eingangstür durch Wind und Wetter und kauften schön langsam ein, in der Hoffnung, dass sich das Wetter bessern würde. Mit dem Resultat, dass wir 60 US$ für Essen und Getränke ausgaben und das Wetter weiterhin schlecht war.



Also kämpften wir uns wieder in unsere Karre, beladen mit Tüten und Taschen. Jetzt mussten wir nur noch den Ort durchqueren und dann irgendwo rechts abbiegen, den Berg hinauf zu unserem “Mammoth Mountain Inn”.

In der Zwischenzeit hatte es so viel geschneit, dass Mirjams Freude über die schönen Schneeflocken stark nachließ und eher in eine Panik umschlug. So langsam fingen wir an, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir am nächsten Morgen weiterkommen sollten. Passend zum Wetter sahen wir dann auch gleich mal den ersten Skilift. Hinter dem Lift entdeckten wir unser Hotel, rutschten mit unseren Sommerreifen auf den verschneiten Parkplatz und kämpften uns durch das Schneegestöber ins Hotel.





Hier erwartete uns eine gemütliche Lobby und tatsächlich flackerndes Kaminfeuer und Country-Musik. Kaum zu glauben, dass wir am Morgen noch im T-Shirt bei über 20 Grad losfuhren und jetzt bei -5 Grad hier auf 2.750 Meter ankamen.



Nach einem kurzen Check-in konnten wir unser gemütliches Zimmer beziehen. Während Beate sich im Zimmer schon mal häuslich einrichtete (Kaffee kochen, Heizung anwerfen und Bad besichtigen) wurde Mirjam wieder in den Sturm hinausgetrieben, um unseren schneebedeckten Impala in die Tiefgarage zu fahren und das Tagesgepäck hinauszuholen.

Mirjam lenkte das Auto um die Kurve und wollte durch den Schneesturm bergauf in die Garage fahren. Dabei kam sie bereits so ins Schlittern, dass sie sich entschloss, vorsichtig umzudrehen und lieber im Schnee vor der Tür zu parken als am nächsten Tag in einer zugeschneiten Garage zu stehen und den Berg nicht mehr herunter zu kommen.

Vollgepackt mit den Einkäufen und dem Gepäck war auch Mirjam froh, ein warmes Heim gefunden zu haben und so nahmen wir uns vor, die Hütte nicht mehr zu verlassen und es uns drinnen gemütlich zu machen.

Das einzige wozu wir uns noch aufraffen konnten, war einen heißen Tee zu kochen und den Wetterkanal anzusehen. Immerhin waren wir - und insbesondere Mirjam - beruhigt, dass für den nächsten Tag zwar Minus-Temperaturen aber immerhin Sonne angesagt war.



Nach unserer Tagesarbeit, dem Bericht schreiben und Fotos sortieren, holten wir unsere Einkäufe hervor, verteilten sie im ganzen Zimmer und hielten ein Ranger-Picknick ab. Nebenher lief amerikanisches Fernsehen und so langsam bemerkten wir, dass wir dem Programm ohne große Probleme folgen konnte. Das heißt, dass unser Englisch immer besser wird. Das merkten wir auch beim Check-in und weiteren Fragen an das Hotel-Personal. Trotzdem sind wir manchmal froh, deutsche Urlauber zu treffen und mit Ihnen Reiseerfahrungen auszutauschen, so wie heute morgen beim Frühstück in Mariposa.

Sonntag, 18. Oktober 2009

18.10.09 San Francisco - Yosemite

Wie vorauszusehen war, klingelte um 7.30 Uhr der Wecker und wir mussten ohne Frühstück den Weg Richtung Yosemite Nationalpark antreten. Wir hatten uns ja entschlossen, früh loszufahren, denn es lag ein weiter Weg vor uns und wie die Beschaffenheit der Wege im Nationalpark war, wussten wir auch noch nicht.

Also verließen wir unser Hotel über die California-Street und bogen dann direkt ab auf die Bay Bridge, die San Francisco und Oakland verbindet. Diese Brücke ähnelt der Golden Gate Bridge und ist ein Jahr älter als diese.

Bei dem Tempo, das man auf amerikanischen Autobahnen fahren darf, würden wir ziemlich lange für die 480 Kilometer brauchen. So schlichen mir durch Tundra und Taiga Richtung Mariposa.

Zwischendurch schliefen fast die Arme von Mirjam und die Beifahrerin ein, denn die Straßen verliefen schnurgerade und bei der monotonen Geschwindigkeit wurde die Fahrerei richtig ermüdend. Dazu kam noch, dass wir mit Tempomat fuhren und Mirjam nur mit dem kleinen Finger den Wagen lenkte.




Gegen Mittag trafen wir in Mariposa ein, das seinem Ruf, ein früheres Goldgräberstädtchen zu sein gerecht wurde und wir kehrten in einem typisch amerikanischen Diner ein, wo wir uns an Omelette und Quiche satt aßen. Die Restaurantbesitzerin erzählte uns, dass es in den letzten zwei Wochen nur Regen gegeben hätte und sie jetzt sehr froh darüber wären, dass es wieder so warm und sonnig sei.




Dann starteten wir endlich Richtung Yosemite Nationalpark, wo wir nach Auskunft unseres schlauen Büchleins sehr viel Natur finden würden. Das war dann auch so.

Am Eingang des Parks nahm man uns erst mal 20 US$ Eintritt ab und zum Dank dafür mussten wir an einer Ampel halten, die eine Viertelstunde Rot zeigte. Später sahen wir warum: Eine Brücke und eine ziemliche Strecke der Straße waren nur einspurig befahrbar. Kurz darauf fuhren wir durch das Yosemite Valley immer am Merced-River entlang.

Bald schon erreichten wir die Bridalveil Falls. Hier gab es größere Diskussionen mit der faulen Beifahrerin, die partout das Auto nicht verlassen wollte, weil sie meinte, sie könne schon genug Natur durch das Seitenfenster sehen. Dank der Hartnäckigkeit von Mirjam kam Beate dann doch noch an die frische Luft und gemeinsam quälten wir uns unter den Anfeuerungsrufen einiger Amerikaner den steilen Berg zum Wasserfall hinauf. Dann folgte eine kurze Fotosession und schon ging es weiter Richtung Glacier Point.




Unterwegs machten wir noch einmal Halt an einem besonders tollen Aussichtspunkt. Die 48 Kilometer bis zum Glacier Point haben sich wirklich gelohnt. Denn von dort hatte man eine phantastische Aussicht auf das Yosemite Valley mit Rundumblick auf schneebedeckte Berggipfel und die zwei Wasserfälle (Yosemite Falls), die mit 739 Metern zu den höchsten Wasserfällen der Erde zählen. Sehr beeindruckt hat uns auch “El Capitan”, der größte Granit-Monolit der Welt.







Und wenn wir schon mal in der Natur unterwegs sind, dann läuft uns auch das eine oder andere Getier über den Weg. So sahen wir Rehe, spielten mit Murmeltieren und begegneten sogar einem Bären.







Gegen 16.00 Uhr wurde es auf 2.200 Meter Höhe doch sehr kühl und wir beschlossen, uns auf den Heimweg zu machen. Also ging es über die vielen Serpentinen zurück ins Yosemite Valley und dann nach Mariposa in unser Hotel “Best Western Yosemite Way Station”.

Das Einchecken ging recht zügig und wir bezogen unser Zimmer, das wie bei einem Motel direkt vom Parkplatz aus zu begehen war. Es war mit einer befahrbaren Dusche ausgestattet, in der allerdings nur ein Melkschemel als Sitzmöglichkeit stand. Da wir von einem Pool wussten, machten wir uns kurzerhand auf den Weg dorthin und fanden tatsächlich das, was wir gesucht hatten: einen Gartenstuhl, den Mirjam sich unauffällig über die Schulter nahm und in der Dusche deponierte. Somit war die Morgentoilette gerettet und wir konnten uns um die wichtigen Dinge des Lebens kümmern: das Essen!

Schräg gegenüber des Hotels fanden wir eine chinesisches Restaurant. Dort bestellten wir jeweils ein Menü und weil wir es ja nie lernen, war es natürlich wie immer viel zu viel und wir ließen uns die Hälfte für den nächsten Tag einpacken.

Den Rest des Abends verbrachten wir wie gewohnt mit Berichte schreiben, Fotos sortieren und Weg ausarbeiten für den nächsten Tag. Das gestaltete sich wie immer recht einfach, denn auch in diesem Hotel gab es wieder einen kostenlosen W-Lan-Anschluss, den wir natürlich nutzten.

Samstag, 17. Oktober 2009

17.10.09 San Francisco

Heute wollten wir uns mal einen ruhigen Tag gönnen und beschlossen, länger auszuschlafen.

Als wir um elf Uhr das Hotel verließen, schlenderten wir die Van Ness Avenue hinunter und schauten uns diverse Frühstücks-Cafés an, bis wir das richtige für uns gefunden hatten. In einem modernen Kaffee-Shop ließen wir uns nieder und mit Zucchini- und Citrus-Bread starteten wir in den Tag.

Unser Weg führte uns weiter die Van Ness Avenue hinunter zum Rathaus von San Francisco, das der Basilika in Rom nachempfunden wurde. Schon auf der Hinfahrt hatten wir einen Blick darauf werden können und wollten das Ganze unbedingt aus der Nähe betrachten. Sämtliche Gebäude der Stadtverwaltung sowie das Asian Art Museum und das Opernhaus lagen nahe beieinander und so hatten wir viel Zeit, alles in Ruhe zu bewundern.




Auf einem der zahlreichen großen Plätze gerieten wir mitten in eine Friedens-Demo. Allerdings verzogen wir uns lieber schnell wieder, denn wir wollten nicht in irgendwelche Schwierigkeiten geraten.

Im Stadtplan hatten wir am Abend vorher einen tollen Park entdeckt, den wir auch noch besichtigen wollten. Dieser lag allerdings am anderen Ende der Stadt. Mittlerweile sind wir jedoch San Francisco-Profis und stellten uns direkt an die nächste Ecke, um auf den passenden Bus zu warten. Einige Minuten später kam dieser dann auch und so gelangten wir auf einfachstem Wege zum Golden Gate Park.

Die Tutanchamun-Ausstellung ließen wir links liegen, denn bei dem traumhaften Sonnenwetter wollten wir lieber den Park genießen. So schlenderten wir über die schönen Wege, gönnten uns auf amerikanische Art einen Hot Dog “New Yorker Style” und machten uns auf die Suche nach dem Stow Lake. Wir durchquerten den schönen Rosengarten und umrundeten dann den See, an dem viele Amerikaner ihren Samstag Nachmittag verbrachten. Hier wurde Boot gefahren, Enten und Fische gefüttert und vor allem ein Picknick eingenommen. Dies artete auch in riesige Barbecue-Treffen aus.




Mirjam hatte mittlerweile schon wieder “Füße” und Beate hatte “Arme” und so machten wir uns auf den Rückweg zur Bushaltestelle.

Wie die alten Hasen enterten wir den gerade ankommenden Bus und ließen uns bis zur Van Ness Avenue bringen. Dort mussten wir die Buslinien wechseln, aber das ist für uns gar kein Problem mehr und so ging es innerhalb weniger Minuten wieder zurück zum Hotel in die Nähe der California Street.

Dort stand für Mirjam das nächste Abenteuer an: Sie wollte unbedingt noch die letzte Besonderheit San Franciscos genießen und eine Fahrt mit dem Cable Car machen.

Das Cable Car “Van Ness” ist das älteste in San Francisco von 1873. Damals wurden die Straßenbahnwagen normalerweise von Pferden gezogen. Dies war allerdings wegen der steilen Hänge in San Francisco nicht möglich. Die Elektrizität war auch noch nicht weit genug, um sie wirklich nutzen zu können und so wurde das mechanische System der Cable Cars eingeführt. Ein unterirdisches Kabel dreht sich fortlaufend mit einer Geschwindigkeit von 15 km/h. Der Fahrer hängt den Wagen mit Hilfe einer Stange (einem sog. Greifer) an das Stahlzugseil ein, lässt dieses beim Bremsen wieder los. Von den vielen Linien, die vor 1906 existierten, sind nur noch 3 in Betrieb.

Mirjam nutzte diese Fahrt und fuhr an mehreren Stationen vorbei, beobachtete genau, wie der Fahrer diese spezielle Mechanik bediente und sah sich aus dem offenen Wagen weiter interessante Stadtteile von San Francisco an. Um wieder zum Ausgangspunkt zurück zu kommen, musste Mirjam in ein anderes Cable Car umsteigen, dem man auch gleich mal anmerkte, dass es etwas älter war, denn an einer der Haltestellen stoppte das Car und war nicht zum Weiterfahren zu bewegen. Fahrer und Schaffner rissen an den Hebeln, aber es tat sich absolut nichts. Erst als einige der Passagiere ausstiegen und das Car kräftig anschoben, ging es wieder weiter. Also alles schon ein bisschen wie im vorletzten Jahrhundert.




Als Mirjam zur Haltestelle zurück kam, kam Beate gerade begeistert aus dem Hotel gerollt, denn sie hatte sich in der Zwischenzeit im Veranstaltungssaal des Hotels vergnügt. Ihr war es an der Haltestelle zu kalt geworden und so war sie zurück ins Hotel gelangt. Dort war es schon in der Lobby sehr voll und neugierig wie sie nun mal ist, musste sie unbedingt rausfinden, was da wohl los war. Also machte sie sich auf den Weg in den hinteren Teil des Hotels, wo ein großer Veranstaltungssaal zu finden war. Dort ging es richtig zur Sache. Beate staunte nicht schlecht, als sie dort viele Tanzpaare sah, die sich im Takt der Westernmusik wiegten. Bei genauerem Hinsehen fiel ihr auf, dass es sich bei allen Tänzern um Männer handelte.

Später stellte sich dann heraus, dass sie mitten in das “Sundance Stompede” geraten war, das ihr jährliches Country-Western-Tanzwochenende für Gays mit mehreren hundert Teilnehmern aus dem ganzen Kontinent veranstaltete.




Zum ersten Mal während unserer Reise sind wir für kurze Zeit getrennter Wege gegangen und schon erlebten wir zweimal so viel, als wenn wir gemeinsam unterwegs sind.

Nachdem Mirjam ihre Cable Car Fahrt dann doch noch heil hinter sich gebracht hatte, mussten wir als Rollstuhltänzer natürlich unbedingt an diesem interessanten Tanzfestival teilnehmen. Nach anfänglichem Zögern trauten wir uns auf die riesige Tanzfläche, mischten uns unter die Paare und legten einen Cha-cha, eine Rumba und einen Jive aufs Parkett.

Leider mussten wir dann diese interessante Veranstaltung verlassen, denn wir hatten noch vor, in einem guten Steak-Restaurant Abschied von San Francisco zu nehmen. Außerdem war mal wieder Kofferpacken angesagt. Am nächsten Tag wird es sehr anstrengend werden, denn wir haben fast 500 km Weg vor uns und möchten auch an unserem neuen Ziel dem Yosemite Nationalpark viel besichtigen.

Schnell schmissen wir uns in elegantere Garderobe und nach einer Katzenwäsche ging es ins Steak House, wo wir uns mit einem hervorragenden “Petit Filet”, French Fries und gebackener Kartoffel verwöhnen ließen. Dies riss zwar ein größeres Loch in unsere Reisekasse, aber man gönnt sich ja sonst nichts...




Sehr lange durften wir uns in dem tollen Lokal nicht aufhalten, denn nach dem Essen stand noch Kofferpacken und Autoeinräumen auf dem Programm.

Freitag, 16. Oktober 2009

16.10.09 San Francisco

Nach der lange durchgequatschten Nacht hatten wir uns vorgenommen, mal so richtig schön auszuschlafen. Das ließ leider der Berufsverkehr von San Francisco nicht zu. Wir versuchten, so zu tun, als würden wir nichts hören, als dann aber noch ein ganzes Feuerwehr-Geschwader mit typisch amerikanischem Alarm an unserem Hotel vorbei fuhr, war es mit der Nachtruhe endgültig vorbei.


Also bereiteten wir uns auf den Tag vor und nach der Morgentoilette ließen wir uns an der Rezeption einen Stadtplan und die Wegerklärung zum nächsten typischen Frühstücks-Café geben, das wir dann auch auf der Rückseite unseres Hotels sofort fanden. Wir sind ja nun schon einiges gewöhnt an amerikanischen Lokalen, aber dieses spezielle asiatische Ambiente überraschte uns nun doch etwas.

Nichts desto trotz bestellte Mirjam eine Waffel und Beate einen French-Toast und dazu den üblichen Kaffee zum Nachfüllen. Beim Frühstück studierten wir die City-Map und waren uns nicht ganz sicher, ob der Weg bis zum Pazifik zu Fuß nicht doch etwas zu weit sein würde.

Nachdem wir gesättigt waren, machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Beate war nicht sehr begeistert von San Francisco und seiner hügeligen Lage, wobei hügelig weit untertrieben ist!

Ganz plötzlich warf sich uns eine Bushaltestelle und gleich auch noch ein Bus in den Weg. Beate verfiel sofort wieder in ihre typisch deutsche Denkweise und blickte skeptisch auf die 4 Eingangsstufen. Noch während Mirjam im Stadtplan nachschaute, ob uns diese Buslinie überhaupt zur Fisherman’s Wharf bringen würde, fuhr der Busfahrer bereits die elektrische Rampe aus. Diese Rampe wurde ruckzuck heruntergefahren und ohne weitere Mühe konnte Beate in den Bus gelangen. Dort waren im vorderen Teil des Busses spezielle Sitze für Rollstuhlfahrer reserviert.




Nachdem Beate sich häuslich niedergelassen hatte, stand Mirjam mit den abgezählten Dollars vor dem Busfahrer und wollte bezahlen, so wie wir es am Abend vorher in unserem schlauen Heft gelernt hatten. Der Fahrer lehnte die Bezahlung ab: Rollis und Begleitpersonen fahren anscheinend kostenlos. Nach kurzer Berg- und Talfahrt erreichten wir die Pazifikküste. Während der Fahrt half uns eine nette ältere Dame, indem sie ausfindig machte, mit welchen weiteren Buslinien wir zur Golden Gate Bridge gelangen könnten.

Da die Endhaltestelle in der Nähe der Fisherman’s Wharf war, entschlossen wir uns, erst einmal dorthin zu wandern. Nachdem uns morgens schon der typischen San Francisco-Nebel fast bis ins Fenster unseres 11. Stocks waberte, löste er sich langsam auf und ein strahlend schöner Sonnentag erwartete uns. Nach einer kleinen Foto-Session am Strand schlenderten wir vorbei an netten Lokalen, kleinen Geschäften, Straßenkünstlern und Bettlern zum Pier 39.
Dort sahen wir einen richtig netten, kreativen Bettler, der sich im gelben Friesennerz und mit Angelrute auf einen guten Geldfang machte. Wir fanden die Idee so toll, dass wir ihn ansprachen. Er freute sich über unsere Freude und wir plauderten nett miteinander.




Auf dem Weg zum Pier 39 schossen wir schon mal die ersten Fotos von der im Nebel liegenden Golden Gate Bridge und von Alcatraz. Dabei störten uns merkwürdige Geräusche, die beim Näherkommen immer lauter wurden. Die Krawallmacher stellten sich als eine Riesenhorde Seelöwen heraus, die sich auf dem Pier sonnte. Da glühte wieder der Fotoapparat!




Wir überlegten, ob wir nun mit dem Bus zur Golden Gate Bridge fahren sollten, als wir einen Anbieter für Schiffsrundfahrten entdeckten. Ein paar Minuten später saßen wir bereits an Deck eines Ausflugsdampfers und kurz darauf ging es auch schon los zu einer einstündigen Fahrt zur Golden Gate Bridge und vorbei an Alcatraz.

Wir fanden die Golden Gate Bridge sehr beeindruckend, zumal sie bereits 1937 erbaut wurde. Diese 2789 m lange Brücke wurde nach 4 Jahren harter Arbeit und Kosten in Höhe von 35 Millionen US$ fertig gestellt. Die Brücke schwingt seitlich bis zu 8.4 m und die Kabel sind im Durchmesser 92cm dick.




So hatten wir gleich 3 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: zum einen kamen wir richtig nah an die tolle Golden Gate Bridge heran, zum zweiten machten wir bei super Sonnenwetter einen schönen Schiffsausflug auf dem Pazifik und wir kamen dem Gefängnis Alcatraz richtig nahe. Bei unseren Nachforschungen fanden wir heraus, dass dieses Inselgefängnis seinen Namen von dem spanischen Wort für Pelikan hat.

Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt und wir freuten uns schon darauf, abends die vielen Fotos anzusehen, die wir unterwegs geschossen hatten.

Auf der anderen Seite der Flaniermeile schlenderten wir auf dem Rückweg an sehr interessanten Geschäften vorbei. Zuerst inspizierten wir ein Schokoladen-Geschäft, dann gerieten wir unversehens in den tropischen Regenwald. Dieser stellte sich bei genauerer Betrachtung als Restaurant heraus.




Bald darauf sahen wir im Schaufenster eines Dekogeschäftes die kitschigsten Statuen und die glitzerndsten Kronleuchter, die wir je gesehen haben. Da interessierten uns natürlich auch die Preise und schon schlenderten wir zwischen den diversen Objekten herum. Ein Verkäufer machte uns die besten Angebote und wir wussten nicht so recht, wie wir ihn wieder los werden könnten. Er verwickelte uns in lange Gespräche und zeigte uns stolz seine Kuriositäten. Mehrmals versuchten wir, das Geschäft unauffällig zu verlassen, aber er holte uns immer wieder ein - dabei waren wir wirklich nicht die Zielgruppe für meterhohe Elefantenstatuen oder gruselig kitschigbunte Deckenlampen.
Als wir uns endlich losgeeist hatten, fanden wir es an der Zeit, unserem Magen mal wieder was mehr oder weniger Gutes zu tun und steuerten zum ersten Mal in Amerika einen Hamburger-Laden an. Auch hier gab es wieder Neues für uns zu sehen. Man gab seine Wünsche an und erhielt mit der Rechnung eine Nummer. Nun wartete man mit Blick auf die Küche auf seine Bestellung. Wenn man Glück hatte, wurde die entsprechende Nummer irgendwann mal aufgerufen und man konnte sein Essen in Empfang nehmen. Natürlich gab es auch in diesem Schnellrestaurant wieder spezielle Tische für Rollstuhlfahrer.

Nach der kurzen Verschnaufpause nahmen für den Rückweg unseren Bus und kamen so auf dem schnellsten Wege wieder zum Hotel. Dort wollten wir die letzten Sonnenstrahlen des Tages am Pool im 6. Stock genießen, was wir auch taten.

Nach einem Zwischenstopp im Zimmer, rafften wir uns auf und suchten den nächstgelegenen Supermarkt. Diesen fanden wir einen Block weiter in der zweiten Etage und auch hier waren wir wieder überfordert von dem wahnsinnigen Angebot. Wir entschieden uns für Chicken Wings, Salat und frische Ananas. Für den nächsten Tag nahmen wir noch ein paar Getränke mit und dann schleppten wir unsere Beute Richtung Hotel.

Im Zimmer veranstalteten wir ein gemütliches King-Size-Picknick auf dem Bett und ließen es uns gut gehen. So ist unser zweiter Tag in San Francisco sehr viel netter und entspannter verlaufen als der erste. Leider haben wir nichts mehr von der Autovermietung gehört und somit steht unser blauer Impala noch immer in der schweineteueren Tiefgarage und der schöne neue weiße umgebaute Impala wahrscheinlich am Flughafen.

15.10.09 San Luis Obispo - San Francisco

Um halb acht riss uns der Wecker mit einem schrillen Piepen aus dem Tiefschlaf. Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns schon so früh aus dem Bett zu quälen, denn es würde ein langer Tag werden.

Für den Donnerstag hatten wir uns viel vorgenommen. Es sollte von San Luis Obispo bis nach San Francisco gehen und das bedeutete ca. 390 km Fahrt über eine enge und kurvige Küstenstraße.

Dieses Mal beschränkten wir uns auf das Hotelfrühstück und da wussten wir mittlerweile auch, was uns erwarten würde, nämlich Toastbrot, Butter und Marmelade, Cornflakes und dünner Kaffee. Um genügend Kraft für den Tag zu sammeln, nahm Mirjam das Waffeleisen in Angriff und bereitete in geübter Routine eine fluffig-weiche Waffel zu.

Wieder einmal hieß es “Rucksäcke zusammenpacken” und schon konnten wir Richtung San Francisco aufbrechen.

Bei herrlichem Sonnenschein und warmen Temperaturen fuhren wir über die “SR 1" Richtung Carmel.




Bei dieser Strecke entlang der Pazifik-Küste handelt es sich um die “Traumstraße der Welt”. Wir konnten uns gar nicht sattsehen an den wilden Steilhängen, Klippen und verschiedenen Felsformationen. Nadelwälder, moosbedeckte Hänge und steppenartige Landschaften wechselten sich ab und hinter jeder Kurve zeigte das Meer ein neues Gesicht. Mal peitschte die Gischt an die Steilhänge, dann breitete sich eine Sandbucht bis zum Meer aus und wieder eine Wegbiegung weiter glitzerte das Meer türkisblau im Sonnenlicht. (Sorry, aber Beate hatte heute ihren poetischen Tag ;-))




Mirjam konnte die Schönheit der Landschaft nur teilweise genießen, denn sie musste sich vor allem darauf konzentrieren, das Auto sicher durch die Serpentinen zu lenken.

Deshalb wunderten wir uns etwas, dass uns alle paar Minuten ein Oldtimer entgegen kam. Später merkten wir, dass es sich wohl um ein Oldtimer-Treffen handelte, denn auf einem Parkplatz hatten sich zig Fahrer mit ihren in die Jahre gekommenen Fahrzeugen versammelt.

Trotzdem das Lenken so anstrengend war, waren wir doch froh, die Strecke in einem Auto zu bewältigen, denn uns trat schon der Schweiß auf die Stirn, wenn wir nur die Biker beobachteten, die uns mit ihren vollbepackten Fahrrädern entgegen kamen.

120 km und fast 2 Stunden später hatten wir das kurvenreiche Bergauf und Bergab hinter uns gebracht und wir gelangten nach Carmel.

Carmel wurde 1904 von Künstlern und Schriftstellern als Zufluchtsstätte gegründet. Diese haben sich sehr gegen die Modernisierung wie asphaltierte Straßen, Gas, Elektrizität und die Vergrößerung Carmels gewehrt. Durch strenge Vorschriften wurde viel vom Reiz des kleinen Künstlerstädtchens erhalten. Die Straßennamen findet man auf kleinen weiß lackierten Holzpfosten und Werbeschilder gibt es gar nicht.
Das wollten wir uns natürlich unbedingt ansehen. Also bogen wir Richtung Carmel ab, steuerten auf die Innenstadt zu und nach einigem Suchen, fanden wir einen Behindertenparkplatz. Wir machten einen kleinen Spaziergang durch die verträumten Gassen dieses faszinierenden Städtchens und waren begeistert von den vielen kleinen individuell gestalteten Häusern mit viel Kunst und Krempel.




Auf einer lauschigen Bank nahmen wir unser obligatorisches Sandwich (ein kleines durch zwei geteilt) zu uns und mussten dann auch weiter, denn es lagen noch mehr als 200 Kilometer vor uns bis San Francisco. Wir entschlossen uns, weiter an der Küste entlang zu fahren.

Es war in keinem Ort zu übersehen, dass hier in den USA bald Halloween gefeiert wird, denn überall wurden hunderte von Pumpkins (orange Kürbisse) angeboten.

Bald darauf fanden wir einen VistaPoint, der mit Picknick-Tischen ausgestattet war und dort legten wir eine gemütliche Kaffeepause ein. Mit Blick auf den tosenden Pazifik ließen wir uns von der Sonne wärmen.




Eine halbe Stunde später ging es dann weiter.

Unsere Wegplanung hatte sich etwas geändert, denn das Reisebüro hatte uns mitgeteilt, dass bei der Autovermietung am Flughafen ein anderes umgebautes Auto auf uns warten würde und wir dies dort abholen könnten. Etwas leichtgläubig wollten wir uns auf den Weg zum Internationalen Flughafen San Francisco machen. Leider fehlte uns geeignetes Kartenmaterial und so landeten wir mitten im Feierabendverkehr von San Francisco. Das bedeutete kilometerlange Staus auf sechsspurigen Autobahnen und verstopfte Straßen in der Innenstadt. Dazu kam noch, dass in der Innenstadt wegen einer Veranstaltung einige große Straßen gesperrt waren und so steckten wir stundenlang fest.

An einem besonders komplizierten Autobahnknotenpunkt (drei Autobahnkreuze hintereinander) verfuhren wir uns, waren plötzlich wieder in der falschen Richtung unterwegs und fluchten laut, denn wir steckten wieder mitten im Stau.

Gefühlte 15 Stunden später erreichten wir dann doch endlich die Alamo Autovermietung. Dort teilte man uns freudestrahlend mit, dass der von uns gewünschte Wagen bereit stünde und wir konnten uns das gute Stück auch gleich mal ansehen. Hochglänzend mit nur 7.000 Meilen auf dem Tachometer stand er vor uns.

Wir wollten gleich schon unser Gepäck umladen, wurden aber von den Mitarbeitern gebremst, da der Autoschlüssel für dieses Prachtstück nicht im Schloss steckte. Auch nach 1,5 Stunden Wartezeit war der Schlüssel nicht auffindbar. Unverrichteter Dinge und wieder einmal laut fluchend zogen wir mit unserer “alten Karre” wieder von dannen - mitten hinein in den Feierabend-Stau Richtung Stadtmitte San Francisco.

Da konnten wir dann auch noch einen Tankstopp einschieben, den Mirjam mit geübter Routine (immerhin war es schon das zweite Mal) erledigte.

Eigentlich hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben, unser Hotel noch vor Mitternacht zu erreichen. Doch wir sollten uns täuschen: Bereits um 20.15 Uhr, nach nur 11 Stunden Fahrt hatten wir unser “Holiday Inn Golden Gateway” in der Van-Ness-Avenue erreicht!

Jetzt mussten wir nur noch unser blaues Geschoss für sage und schreibe 41 US$ pro Nacht in der Tiefgarage parken und konnten dann laut fluchend unser Zimmer beziehen. Zumindest das war wie immer bestens ausgestattet mit Roll-In-Shower und King-Size-Bett. Wir schenkten der Ausstattung allerdings weniger Beachtung, denn unser knurrender Magen forderte sein Recht.

Im Holidaycheck hatten wir schon herausgefunden, dass gleich um die Ecke ein gutes italienisches Restaurant zu finden wäre und so machten wir uns direkt auf den Weg. Wir gönnten uns zwei kleine Pizzen, die natürlich wieder den europäischen Rahmen sprengten und uns völlig überforderten.

Direkt danach ging es zurück ins Hotel, denn dort wartete endlich unsere Ruhestätte auf uns. Von Ruhe konnte natürlich noch nicht die Rede sein, denn erst mussten noch die Mails bearbeitet und der Blog vervollständigt werden.

Um 23.30 Uhr erschreckte uns das Klingeln des Zimmer-Telefons. Am Apparat war eine freundliche Dame von Alamo, die uns mitteilte, dass wir am nächsten Morgen unseren neuen Wagen ins Hotel gebracht bekommen würden. Wir sind gespannt!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

14.10.09 Santa Barbara - San Luis Obispo

Bis in den frühen Morgen plauderten wir bei dem Geräusch von Dauerregen. So gegen halb zwei fielen uns dann endlich mal die Augen zu und um 8.00 Uhr in der Früh wurden wir durch bereits ausziehende andere Gäste geweckt. Nach den morgendlichen Körper-Renovierungsarbeiten hieß es mal wieder “Tasche packen” und dann machten wir uns auf die Suche nach dem nächsten Frühstückslokal. Die gerade gestylten Frisuren fielen gleich wieder dem immer noch anhaltenden Regen zum Opfer.

Drei Blocks weiter fanden wir “Cajun’s Kitchen”, ein typisch amerikanisches Frühstückslokal. Einen Tisch fanden wir relativ schnell, aber die Auswahl auf der Speiskarte überforderte uns etwas.

Da wir in einem Alter sind, in dem man noch aus Fehlern lernt, bestellten wir dieses Mal ein Ham-and-Cheddar-Omelett und baten dann darum, dieses für zwei Personen zu teilen. Das war eine sehr gute Entscheidung. Beide Teller waren gefüllt mit einem reichhaltigen Omelett und Kartoffel-Rösti und zusätzlich gab es für den kleinen Hunger zwischendurch noch Blaubeer-Muffins mit Vanille-Eis.

Während des Essens waren wir uns nicht sicher, ob wir den Nachtisch zusätzlich bestellt hatten oder ob dies zur Mahlzeit dazu gehörte, denn wie so oft konnten wir den in kalifornischem Dialekt gemurmelten, maschinengewehrartig schnellen Ausführungen der Bedienung nicht wirklich folgen. So nickten wir alles freundlich ab und ließen uns überraschen.




In der Zwischenzeit nahmen am Nachbartisch zwei Polizisten der Highway-Patrol Platz, die uns mit ihrer Kriegswaffen-Ausrüstung schon etwas einschüchterten (Pistolen, Schlagstöcke, Handschellen und diverse andere Utensilien).

Wir waren wirklich sehr bemüht, alles aufzuessen, aber dennoch mussten wir uns einen Muffin zum Mitnehmen einpacken lassen, denn wir schafften es einfach nicht. So machten wir uns mit unserem Doggy-Bag auf in Richtung Hotel, ließen uns noch einmal schön nassregnen, schmissen den Fön an und checkten an der Rezeption aus. Ruck zuck war unser Nachtgepäck, der Rollstuhl, Beate und die Fahrerin wieder verladen und los ging es Richtung Norden nach San Luis Obispo.

Der Weather-Channel hatte uns für nachmittags besseres Wetter angekündigt, von dem bisher aber noch nichts zu bemerken war. Auf unserem Weg begleiteten uns dunkelgraue Wolken, Nebel und starker Regen.

Zwischenzeitlich näherte sich die Tanknadel langsam dem roten Bereich und ob wir wollten oder nicht, es blieb uns nichts anderes übrig, als das Abenteuer Tankstelle zu bewältigen. Wir nahmen die nächste Ausfahrt und fanden tatsächlich kurz darauf eine Tankstelle.

Mittlerweile hatten wir wenigstens schon einmal ausprobiert, wie der Tankdeckel aufging und heraus gefunden, welches Benzin wir benötigten. Jetzt ging es nur noch darum, die Zapfsäule zu bedienen. Aus unserem schlauen Heft von Dertour hatten wir die Info, dass erst bezahlt werden müsse und dann getankt werden könne. Dazu sollte man die Kreditkarte in die Tanksäule stecken und als PIN die Postleitzahl des Wohnortes angeben. Leider funktionierte diese Methode schon mal nicht. Also marschierte Mirjam mit der Karte in den Tankshop, lies dort 45 US$ von der Karte abbuchen und, oh Wunder, es kam Benzin aus dem Schlauch und wir konnten unseren Wagen volltanken. Dafür dass wir vor dem ersten Tanken so viel Panik hatten, lief es doch recht reibungslos und für das nächste Mal wissen wir Bescheid.

Nach ca. 80 Meilen hörte es tatsächlich auf zu regnen und so bogen wir kurz vom Highway 101 ab nach Pismo Beach. Natürlich parkten wir als Behinderte wieder direkt am Strand und konnten auf dem Pier über das tosende Meer laufen.

Zuerst faszinierten uns die gewaltigen Wellen, dann fanden wir Gefallen an den Möwen bis wir auf der anderen Seite des Piers die zahlreichen Surfer entdeckten, die sich waghalsig von den hohen Wellen tragen ließen. Eine ganze Weile beobachteten wir das aufregende Treiben der Wellenreiter, die sich teilweise fast gegenseitig überfuhren. Dann wurden wir abgelenkt durch hunderte großer Vögel, die sich im Wind knapp über den Wellen treiben ließen. Bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich um Pelikane handelte. Schade eigentlich, dass man sie nicht richtig aus der Nähe sehen konnte.

So langsam lies sich auch die Sonne mal blicken und wir machten uns auf den Rückweg zum Auto.

Zu unserem Glück hatte es sich tatsächlich ein Pelikan auf einer Lampe am Pier bequem gemacht und wir waren begeistert, ein Foto fast aus der Nähe schießen zu können. Aber dieser Pelikan war wohl darauf bedacht, in unsere Memoiren aufgenommen zu werden. Etwas unbeholfen startete er, drehte eine Runde über den Pier und lies sich auf dem Geländer direkt neben uns nieder. So ganz geheuer war uns dieser riesige Vogel ja nicht, vor allem weil er immer etwas argwöhnisch in unsere Richtung blickte.




Nach zehn Minuten hatte er dann wohl den Schnabel voll, erhob sich mühsam in die Lüfte und segelte davon. Wir schauten ihm sehnsüchtig nach und wunderten uns, warum die anderen Besucher in lautes Lachen ausbrachen. Dann sahen wir es selbst. Unser neuer Fotostar hatte nur eine kleine Runde gedreht und saß jetzt wieder direkt hinter uns auf dem Geländer. Wir schossen noch einige Fotos und schlenderten dann in gemütlichem Touri-Tempo zurück zum Auto.

Jetzt waren es nur noch ein paar Meilen bis zu unserem nächsten “Ankerplatz”, den wir ohne weitere Vorkommnisse (und das ist bei uns was besonderes) ansteuerten. Gleich vor dem Eingang hatte wir das Problem, wo wir parken sollten, denn es standen sechs Behindertenparkplätze zur Verfügung und da fiel die Entscheidung schon etwas schwer.

Im Hotel selbst lies der behindertenfreundliche Eindruck erst einmal nach wegen der hohen Rezeptions-Theke. Wir regelten unser Check-in und wurden dann um die Ecke gebeten zum speziellen Rollstuhl-Desk in Sitzhöhe. Selbstverständlich war das Zimmer mit Kingsize-Bett und Roll-in-Shower für uns reserviert und schon zum Einzug bereit.

Schnell hatten wir unsere “sieben Sachen” ausgepackt und konnten uns der nächsten Herausforderung stellen: zum ersten Mal Internet über W-LAN. Unsere diversen Versuche schlugen natürlich fehl und so nahm Mirjam den Laptop unter den Arm und marschierte Richtung Rezeption. Dort stellte sich heraus, dass wir gar nicht zu blöd waren, sondern dass die W-LAN-Verbindung von unserem Zimmer aus einfach zu schwach war. Aber was tut man nicht alles, um die Daheimgebliebenen an unseren Taten teilhaben zu lassen und so setzte Mirjam sich mit dem Laptop halb auf den Balkon, um doch noch eine Verbindung in die Heimat herzustellen.

Damit waren unsere Taten des Tages noch nicht getan. Es musste noch die Planung des nächsten Tages vorgenommen und die Route ausgearbeitet werden.

Dann überfiel uns langsam der Hunger. Wir schnappten uns unsere Doggy-Bags aus dem Restaurant vom Vortag, marschierten in den Hotel-Frühstücksraum, schmissen die Mikrowelle an und wärmten unser noch immer reichhaltiges Nudelgericht auf. Zurück im Zimmer veranstalteten wir ein Picknick mit unseren Essensresten und den letzten Getränken.

Diesen Tag beendeten wir etwas früher, denn uns war klar, der nächste Tag würde sehr anstrengend werden.